Aids und Mission in Afrika
Der deutsche Prediger Reinhard Bonnke schickte sich an, Afrika verrückt zu machen. Er brüllte in einer Nacht 200 000 (!) Afrikanern das Evangelium ins Gehirn: „Jeder, der nicht Jesus Christus als Retter anerkennt, fährt senkrecht zur Hölle“. Dahin wollen die Nigerianer nicht. Die Bücher Bonnkes werden 140 Millionen Mal gedruckt. Genau 1.723.652 Bekehrte „brachte die Ernte des Mähdreschers Gottes“, so im Fokus 3/2002. Seinen Siegeszug erlebt das Christentum nur durch Angstmacherei. In mit Stacheldraht eingezäunten Fußballfeldern wird den schizophren gewordenen, am Sacco-Syndrom erkrankten Afrikanern der mit Mühe erst eingetriebene Teufel dann wieder ausgetrieben. Das kostet wiederum: 200 Euro (s.u.).

"Ein Ergebnis christlicher Missionsarbeit in Südafrika“ sind die AUK, die Afrikanischen unabhängigen Kirchen, so Hans-Jürgen Becken in „Verkündigung und Verantwortung, Theologie der Heilung“, Verlag Missionshandlung Hermannsburg. Sie ist zahlenmäßig die stärkste kirchliche Gruppe in Südafrika. Die Missionare lehrten und lehren fundamentalistischen Glauben: Die Bibel sei Gottes Wort und heilig. Daran hält man sich in Afrika, denn man möchte ja schließlich nicht in die Hölle. Nach Ansicht der AUK sei das Heilen nicht medizinisch sondern theologisch abzuhandeln. Alles Heilen komme von Gott, "wissen" die AUK. „Solche Aussagen machen deutlich, dass die AUK die Bibel als undiskutierte Autorität betrachten...“, so im Buch. Regelmäßig wird Gläubigen eine angebliche Schuld am Kreuz Jesu flächendeckend gelehrt.
Krankheit wird als Ergebnis von Schuld und Sünde angesehen, die als „lebenszerbrechende“ Mächte bezeichnet werden. Alle Krankheiten würden geheilt, so glaubt man, „wenn der Kranke alle Sünden bekennt“. Wer dennoch zum Arzt geht, muss von dieser Sünde rein gewaschen werden. Die schwer Kranken würden teilweise als Besessene in Ketten zur Kirche gebracht. Mit einem gesegneten Stock werde der Kranke geschlagen und entsprechend Jesu Krankenheilung (Matth. 3, 30ff., Luk. 9, 49-50) ein Exorzismus durchgeführt. Im „Spiegel“ stand, „Besessene“ würden in eingezäunte Fußballfelder getrieben und von herbeigerufenen Priestern en gros für je 200 € pro Kopf exorziert. Das ist viel Geld für eine arme Familie. Ob auch in Deutschland eine akute Blinddarmentzündung durch Schläge ausheilt, könnte in größeren Studien an Universitäten untersucht werden. Das Erbe der Missionen lebe in der Bewegung weiter, so der Autor. So ein Erbe sollte man lieber ausschlagen. „Ich bin der Herr, dein Arzt“, wird Exod.15, 26 zitiert. Zu den 17 Millionen Kondomtoten und 22 Millionen an Aids Infizierten gesellen sich so noch weitere Millionen, denen ärztliche Hilfe ebenso klerikal wie radikal ausgeredet wird.
Das hat mit verantworungsvoller „Verkündigung und Verantwortung“ nichts zu tun. In Europa ist es längst als schwerer Kunstfehler erkannt, in jedem Fall auf Gottes Hilfe zu warten. In Afrika hat man zu übereifrig und zu fundamentalistisch einfach denkende Menschen verbrecherisch missioniert. Diese Mission ist Missbrauch. Helmuth Schmidt prangert in seinem Buch „Religion in der Verantwortung“ solche Formen von Mission an.