Einführung in die Tiefenpsychologie
Zu den drei klassischen Theorien der Tiefenpsychologie – der Lehre von der Bedeutung des Unbewussten – füge ich seit 2007 eine vierte hinzu. Diese stellt die anerkannt größte Angst des Menschen in den Vordergrund. Betrachten wir zunächst die drei Klassiker:
1. Sigmund Freud
Freud etablierte die  Sexualtheorie mit der Angst vor dem angeblich zur Kastration fähigen Vater. Doch er scheiterte mit seiner Theorie unter anderem am noch skurriler erscheinenden weiblichen Pendant: dem Penisneid der Frauen. Wo bei ihm Kastrationsangst auftaucht, sollte bzw. kann man stattdessen versuchsweise die Gottesangst setzen. Ein Vater, der seinem Sohn ernsthaft mit Kastration droht, verliert ihn; da greift das Jugendamt ein. Freud blieb an der Oberfläche und erkrankte selbst an einem Sacco-Syndrom. Über die Kastration konnte er stundenlang entspannt plaudern, doch über die „größte Sünde“, die größte Angst des Menschen, nicht. Da fiel der Analytiker – der an sich tiefgläubige „Atheist“ – in Ohnmacht. Es war „seine“ Sünde. Die größte Sünde eines Juden: Er tötete seinen Kindheitsgott. Religion sei Wahn, sprich: Gott sei Wahn.
2. Carl Gustav Jung
Als Pastorensohn wusste er etwas von der wirklichen Tiefenpsychologie. Als einer der besten Psychoanalytiker sprach er mit Patienten über die Bibel und ihre fundamentalistische-krankmachenden Inhalte! Das musste er vor seinen Kollegen am Zürcher Burghölzli geheim halten. Man hätte ihn, so Jung, für „verrückt“ erklärt. Später dann entwickelte er seine zweifelhafte Archetypentheorie und wurde,  Religionskritik betreffend, eher zahm. Alterhrwürdig sei das Christentum.
3. Alfred Adler
stellte mit seiner Individualpsychologie den „Minderwertigkeitskomplex“ in den Vordergrund und das Verlangen des einzelnen Kindes nach einer „Gottähnlichkeit“. Ganz vergeblich sucht man bei ihm jedoch nach einem Statement über die Schäden, die durch die größte Angst des Menschen entstehen. Und wollen Kinder diesem Gott wirklich ähnlich sein? Dem Täter der Sintflut?

 4. Schätzing und Frank Sacco

Im Jahr 2007 stellte ich die anerkannt größte Angst des Menschen in en Vordergund der Teifenpsychologie: die Angst vor dem Erleiden übergroßer, unmenschlicher Qualen – ob nun auf Erden oder in einem angenommenen beziehungsweise gepredigten Jenseits. Diese Angst muss abgrundtief verdrängt werden, um uns überhaupt einen erträglichen Alltag zu ermöglichen. Hier beginnt die wirkliche Tiefenpsychologie. Erst sie erklärt uns die furchtbaren Angst- und Panikzustände der Erkrankten in den psychiatrischen Kliniken. Jedes Kind hat Angst vor dem Verhungern, davor, gefressen zu werden, oder vor einer heißen Herdplatte. Seine größte Angst ist allerdings: zu verbrennen. Ewig zu brennen.
Diese Massivangst schüren die Religionen bis zum heutigen Tag als „Gott- oder Höllenangst“ – und das dem Anschein nach völlig legal. Es sei das „Geschäft“ der Kirchen, so Bischof N. Schneider.
Diese Angst war schon die Angst des Ödipus. Die Rachegöttinnen verzeihen dem Helden seinen Inzest mit der eigenen Mutter erst nach seinem beidseitigen Augenopfer. Dabei war kein Zeus im Himmel, um das überflüssige Opfer des Ödipus überhaupt anzunehmen. Religiöser Masochismus, der sich heute auch in der „endogenen“ Depression versteckt, ist im Prinzip immer überflüssig. Gottangst ist auch die Angst unserer Psychiatrie; sie ist ein Erbe Freuds. Auch unsere Gesellschaft trägt, von Ausnahmen abgesehen, diese Angst in sich. Therapiert wird sie durch Verdrängung und eine ständige Perzeption folternder Gewalt in den Medien – die Einschaltquoten bestätigen das. Ein Beispiel ist der Tatort (Polizeiruf) vom 10. Juni 2018: „In Flammen“. Eine rechtsgesinnte Politikerin wird darin bei lebendigem Leib verbrannt. Letztlich beruhigt das den „gesunden“ Menschen, wie uns schon Goethe lehrte. Mehr braucht ein Volk nicht: „Brot und (grausame) Spiele“. Das wussten bereits die römischen Feldherren. Schwer Depressive hingegen können keinen Tatort und keine derartigen „Spiele“ ertragen.
Es gibt bislang kaum echte Tiefenpsychologen; die meisten Vertreter dieses Berufszweiges verbleiben an der Oberfläche. Ängste – und um kaum etwas anderes geht es bei psychischen Erkrankungen – werden meist auf Strafandrohungen frühkindlicher Bezugspersonen zurückgeführt oder genetisch begründet. Sigmund Freud führte dazu die unglückselige „Kastrationsangst“ durch den Vater an und bezeichnete sie als die größte Angst jedes Knaben. Damit lenkte er die Psychiatrie bis heute in eine diagnostische und therapeutische Sackgasse.
So brauchte es erst einen Gynäkologen – Eberhard Schaetzing –, der mit der Schöpfung des Begriffs der „ekklesiogenen Neurose“ den vermeintlichen Tiefenpsychologen den Weg in die tatsächlichen Abgründe der Seele wies. Doch der Psychiatrie gelang es, Schaetzings Ansatz totzuschweigen. Er hatte postuliert, dass kirchlich vermittelte Gottesfurcht eine Hauptursache psychischer Leiden sei. Vergeblich: Bis heute kennt kaum ein Rechtschreibprogramm das Wort „ekklesiogen“. Das hat System, denn Schaetzing war unerwünscht.  Er kam den verdrängten religiösen Ängsten der Psychiater zu nahe. Nur durch diese eigene Angst lässt sich deren Unwille erklären, auf die religiösen Themen ihrer Patienten einzugehen.
Das „Sacco-Syndrom“ erweitert nun diesen Begriff der kirchenbedingten Störung. Es umfasst nicht mehr nur klassische Neurosen, sondern erkennt auch in Psychosen, Autismus-Spektrum-Störungen, Zwängen, Süchten, Sexualneurosen und ADHS die laut Karl Jaspers und dem Religionspsychologen Eugen Biser größte Angst des Menschen: die Gottangst.
Ich differenziere beim Über-Ich  ein Eltern-Ich und ein Gott-Ich mit jeweils einer Angst vor elterlicher bzw. einer göttliche Strafe. Während Eltern im Normalfall nicht über- bzw. unmenschlich  strafen, schon weil es ihnen per Gesetz verboten ist, straft der über Informationen von Eltern, Geistlichen und Medien Kindern vermittelte Gott angeblich und nach der Bergpredigt bekanntlich unendlich lange und unendlich grausam. So schreibt der Kirchenmann Hans-Werner Deppe im Buch mit dem Titel „Wie wird es in der Hölle sein?“, Jesus sei in seinen ewigen Höllenstrafen schlimmer als "Hitler“.
Der Hitlervergleich ist eine Blasphemie, eine Gotteslästerung. Und diese ist in der BRD strafbar, wenn sie wie hier den gesellschaftlichen Frieden, die öffentliche Ordnung stört.

 

 

 

Hier nun ein kurzer Überblick über mögliche Symptome innerhalb des Sacco-Syndroms sowie seine Therapie und Prophylaxe. 

Der Depressive: Die gepredige Hölle kann beim empfindlichen Patienten zu einer Ich-schwäche führen: Er stellt seine eigenen Wünsche gemäß den Weisungen der Bergpredigt dann völlig zurück. Gute Menschen kommen in den Himmel – schlechte  in die Hölle, so der Grundsatz, den ein Faßberger Kind aus dem Kindergarten mitbrachte. Ein Reicher kommt nicht durch das biblische Nadelöhr, so das verheerende Dogma. Ein Depressiver mag somit zum Asketen werden, wobei die modernen Asketen sich oft jedes Glück, ja jede Zufriedenheit versagen. Eine Depression, so hart sie auch sein mag, stellt oft eine Eigenstrafe für begangene „Sünden“ dar. Sie ist ein dem Erkrankten unbewusstes Opfer an einen Gewaltgott dar.  Zudem demonstriert der sog. Sündenfall, bei dem es lediglich um einen Apfel (!) ging, einem Depressiven anschaulich die absolute Kleinlichkeit eines Bibelgottes, wenn es um irgendwelche „Sünden“ geht. Der klerikal erfundene Begriff der „Sünde“ stellt eine Erhöhung einer Schuld ggf. ins unermesslich-transzendentale dar. Schon ein "Nein"-Sagen kann ein Depressiver als Sünde, als sündige Verweigerung seiner Liebe verstehen.

Der Manisch-Depressive: Es ist ist ein Depressiver, dessen Unbewusstes mit Hilfe einer Manie einer drohenden Depression zu entkommen versucht. Meist vergeblich. Es sind die Optimisten  unter den Patienten mit einer sog. depressiven Persönlichkeitsstörung.

Der später Schizophrene ist zur Krankheitsbeginn in der Regel anders gestrickt. Er behauptet sich vor dem grausamen Rachegott der Kirchen. Er kämpft seine angestammte Religion nieder. Ja, er mag, so etliche Beispiele, auch den Heiligen Geist verfluchen. Doch er scheitert. Der fiktive Gegner ist ihm letztlich übermächtig. Und ihm kommt weder von seinen Eltern, noch von seinen Therapeuten oder Geistlichen eine effektive Hilfe zu, die es ihm gestatten würde, die Androhung ewiger jenseitiger Strafen als ein „Geschäft“ zu erkennen, als Politik der Kirchen. Es ist geschäftsmäßiger Terror. Wahn und Halluzinationen mit oft masochistischen Inhalten sind beim Erkrankten die Folge seines Kampfes. Beide Symptome sind Versuche zur Selbstheilung, so bedrückend sie auch sein mögen. Dass dem so ist, ist der Psychiatrie nicht bewusst. Sie unterdrückt diese Symptome  konsequent und über Jahre als sog. „produktive Symptomatik“ mit persönlichkeitsumformenden Neuroleptika. Dabei sollte sie von Anfang an die Ursachen angehen.

Der später Zwangskranke meidet zwanghaft “Unregelmäßigkeiten“, die einen Weg zur Sünde darstellen könnten. So wäscht er sich beispielsweise in einem Waschzwang Sünde ab, vermeintliche und verdrängte Sünde. Die ist oft mit einer frühkindlich stattgefunden sexuellen Aktivität verbunden. Die war natürlich kindlich-harmlos, ist jedoch bekanntermaßen religiös-dogmatisch immer schmutzig-sündig. Sexualität hat nur ihren herausragenden Stellenwert in der Psychiatrie aufgrund ihrer Einordnung als „Sünde“. Nahezu immer ist der Zwangskranke ein Perfektionist. In Korrektheit, Ritual und Ordnung findet er Schutz. Seine ihm unbewusste Gottangst zwingt ihn zu ständiger Perfektion. Das führt über eine Überforderung oft in eine Psychosomatik mit Migräne, Hochdruck, Herzinfarkt oder stoffgebundene Abhängigkeit. Seine Umwelt kann unter seiner Pedanterie massiv leiden.

Der Hysteriker fällt wie Sigmund Freud aus der Realität und klassisch in eingebildete Krankheiten oder in Ohnmachten. Die Ohnmacht führt ihn weg vom Gedanken an eine begangene „Sünde“. So erging es Sigmund Freud in Situationen, die ihn an seinen Jahwe – Mord erinnerten. Er äußerte, man müdde an dieser seiner Neurose arbeiten. Freud hatte in seiner Behauptung, Jahwe sei Wahn, die größte denkbare Sünde eines Juden begangen. Er glitt in Nikotin- und später Morphinabhängigkeit ab. Solange die Zigarre brennt, ist die Welt in Ordnung. Heilung konnte sich bei ihm nicht einstellen, war der Analytiker ja in dem Irrglauben befangen, areligiös zu sein. Das Gegenteil war der Fall, so nachzulesen in meinem Buch „Die Neurose Sigmund Freuds als Kollektivneurose“, BoD.  Sein „Analytiker“ Carl Gustav Jung schreibt, Freud habe das Religiöse noch tiefer verdrängt als das Sexuelle.

Am härtesten trifft es die Depressiven. Sie weisen oft nicht die Möglichkeiten einer Defektheilung auf. Häufig enden sie im Suizid. Den verhindert nur oft der Gedanke, danach noch elender in Gottes angeblicher Hölle gefoltert zu werden. Verlustangst sei deren größte Angst, so die etablierte Psychiatrie.  Nein, die  größte Sorge „endogen“ Depressiver ist die Angst vor dem Begehen einer „Sünde“, denn  sie führt in eine überschäumende Strafangst. Die Schuldgefühle eines solchen Depressiven sind Sündengefühle. Regelmäßig erwarten die Erkrankten göttliche Strafen, ohne dass  ihnen dies bewusst wäre. Schon ein „Nein“-sagen können  sie unbewusst als die Sünde eines unterlassenen Liebesdienstes auffassen. Man willigt in alle Forderungen ein. Für dieses Gefühl habe ich den Terminus Sündengefühl in die psychiatrische Nomenklatur eingeführt.

In welche der gezeigten Symptomatiken man gerät, ergibt sich aus der angelegten oder frühkindlich erworbenen Persönlichkeitsstruktur. Die Eltern spielen häufig als modulierende Faktoren eine Rolle. Sie fungieren als somatische Trigger über ihre Gene oder als psychische Trigger mit ihrer jeweiligen Erziehungspraktik. Schon die Eltern sind meist angstkrank und übertragen ihre Weltsicht und Ängste. Freud rätselte in seinen Werken: Wie kann ein Über-Ich so überaus grausam-streng sein, wenn die Eltern doch so nett sind? Nun, das Sacco-Syndrom war ihm „unbekannt“.  Dabei war es seine Krankheit. Und es war letztlich über eine folgenschwere Nikotinsucht auch seine Todesursache. Hier verweise ich auf die heutigen Aufdrucke deutscher Tabakwaren. Freuds Mörder war, wenn man so will, die katholische Kirche. Die ließ verlauten, was Freud zusätzlich belastet haben dürfte, die Psychoanalyse sei „vom Teufel“. Sie machte Freud zum  Teufel.

Oft äußert ein Erkrankter, er glaube nun wirklich nicht an die Hölle zu. Ihm ist schnell und eindrucksvoll mit dem Kierkegaard-Test „geholfen". Der geht - vom Krankenher gesehen - nur stumm.

Die EAT, siehe dortiges Kapitel

Die Therapie des Sacco-Syndroms liegt neben einer EAT, einer-Ekklesio-Adversativen Therapie, überwiegend in der Prophylaxe. Das amtskirchliche „Geschäft mit der Angst“ vor jenseitigen Strafen ist in der BRD aus meiner Sicht  illegaler Terror. Jeder Wunderglaube, auch der der Auferstehung eines Gekreuzigten oder jeder sonstigen Person, zählt in der bundesdeutschen Justiz natürlich nicht. Jesus, der angebliche Verwalter einer Hölle, ist definitiv tot, so die Staatsanwaltschaften Freiburg im Breisgau und Hannover.  Er ist juristisch nicht „existent“. Die Amtskirchen drohen somit in eigener Täterschaft mit dem „ewigen Feuer Jesu“.

Kirchen dürfen heute noch alles, von einem sexuellen Kindesmissbrauch einmal abgesehen. Es bedarf einiger  aufklärender Arbeit, das zu ändern. Denn auch in der Bevölkerung bildet verdrängte Gottangst das eigentliche Zentrum des kollektiven Unbewussten. Sie führt zu einer kranken und von außen betrachtet skurrilen Toleranz der Straftaten unserer Geistlichen. Das Ergebnis ist erschütternd und zeigt sich in übervollen psychiatrischen Einrichtungen.