Vorwort Müller: Mit diesem Artikel packt Frank Sacco, Doktor der Medizin, ein brandheißes Eisen an, sozusagen ein Foltereisen. Ein Zitat: Man kann das Phänomen Angst vor Folter geschäftsmäßig einsetzen, wie es z. B. die Amtskirchen tun. Noch eins: Den Widerspruch, dass jede ernstgemeinte (…) Folterandrohung bereits Folter ist, sehr krank macht, und daher strafbar ist, eine solche der Amtskirchen aber harmlos sein soll, kann kein Psychiater auflösen. Sacco sagt denn auch, bei Humanisten gilt: Keinerlei Toleranz folternden Systemen gegenüber.
Folter
von Frank Sacco
Mensch und Tier haben Nerven. Und die lassen sich unbeschränkt reizen. Es gibt seelische und körperliche Schmerzreize. Sie dienen ursprünglich dem Schutz des Individuums vor gröberen Verletzungen. Der Nachteil ist bekannt: Es gibt die Möglichkeit der „übergroßen“ Reizung der Fasern mit der Folge einer sehr unangenehmen Reizüberflutung. Dann sprechen wir von Folter.
In der Natur gibt es Zustände von Folter. Wird ein Wal angeschwemmt, ahnen wir von seiner Qual. Man versucht daher, ihn mit erheblichen Mitteln freizubekommen. Ins offene Gewässer. Krankheitserreger bzw. Krebsviren können Menschen über Schmerzen oder Luftnot in eine Folter zwingen. Das geschieht unbeabsichtigt. Da kann die Medizin helfen. Der Mensch erst erfand die Absicht bei der Folter. Der US-Präsident sagt: Folter sei wirksam. Klar ist sie das. Ja er hält sie für ein probates Mittel. Damit ist er bereits kurz nach der Machtergreifung disqualifiziert. Bei Humanisten gilt: Keinerlei Toleranz folternden Systemen gegenüber.
Dass Folter, als Angst vor ihr, unser Leben beherrscht, ist uns nicht bewusst. Doch ist diese Angst als Panik stets griffbereit und unter einer sehr dünnen Decke einer Beherrscht- und Gelassenheit verborgen. Beispiel: ein drohender Flugzeugabsturz. Die größte Angst des Menschen, und das ist Psychiatern unbekannt, ist die vor Folter. Auch der Nervenarzt der Niedersächsischen Ärztekammer wusste es am 17. 11. 2009 nicht. Warum nicht? Diese kollektive Angst muss tief verdrängt werden, damit es uns im Alltag nicht sehr unwohl wird. Wir müssen arbeits- und denkfähig bleiben. Das „gesunde“ Kollektiv psychotherapiert diese Angst durch eine ständige Konfrontation mit ihr. Das erscheint paradox. Dass das so funktioniert, lehrte schon Goethe. Eine Hexenverbrennung war ein Volksfest. Kein Fernsehabend heute ohne ausgiebig gezeigte Folter. Doch nicht alle Menschen „beruhigt“ das vorüberziehende Grausen: Depressive können diese Sendungen nicht ansehen. „Beruhigte“ Kafkas „In der Strafkolonie“ die Nerven des subdepressiven Autors? Das mechanisch-werkzeugmäßige des dortigen Folterapparates nahm hellsichtig Auschwitz vorweg. Nahm gar den Tätern von Auschwitz das Ausleben eines Sadismus deren unbewusste Ängste? Beruhigt Horror die nachtgewohnten Norweger? Sie könne über Horror wunderbar lachen, so die Theaterregisseurin Lisa Lie. Der Einfallsreichtum von Folter fasziniert sie: „Beim mittelalterlichen Karneval warf man Körbe mit Katzen darin auf den Scheiterhaufen wegen des lustigen Geräusches“, so in der Die Welt vom 1. Febr. 2017. Doch nicht alle Menschen „beruhigt“ das vorüberziehende Grausen: Aktuell Depressive können diese Sendungen nicht ansehen. Die die Psyche schützende dünne Decke fehlt ihnen. Würden Wale sich im Meer riesige Fernseher aufstellen und sich allabendlich ansehen, wie andere Wale zerstückelt werden, wir würden sie für verrückt erklären. Der Mensch ist in diesem Sinn verrückt. Er weiß zu viel um die Angelegenheit Folter.
Die größte Angst des Menschen macht ihn lenkbar. Selbst sehr reiche Menschen fürchten oft, ärmere könnten ihnen etwas wegnehmen. Analytisch fürchten sie (in einem Wahn), zu verhungern. Man kann das Phänomen Angst vor Folter geschäftsmäßig einsetzen, wie es z. B. die Amtskirchen tun. Der Paderborner Erzbischof Becker zitiert vorsichtshalber schon 2-jährige in seinen Dom zum Hauptgottesdienst. Sie sollen dort den Altar mit einem Jesus am Kochtopf anschauen. Bischof N. Schneider, EKD, erklärt, die Androhung jenseitiger Strafen sei ein „Geschäft“ der Kirchen (Spiegelinterview 43/2014). Gewisse Sünder kämen in das „ewige Feuer“ Jesu, so erläutert es der Geschäftsmann Schneider folgerichtig unseren Kindern im Buch „Von Erdenherzen und Himmelsschätzen.
Und wieder versagt unsere Psychiatrie. Auf einem internationalen Kongress wurde der Vortragende Prof. Diefenbacher, Berlin, nach den Auswirkungen derartiger Androhung gefragt. Die schriftliche Antwort: gravierende Störungen könne das bei Kindern nicht auslösen. Dem steht der Skandal ADS in Würzburg entgegen. Den Widerspruch, dass jede ernstgemeinte (und verstandene) Folterandrohung bereits Folter ist, sehr krank macht, und daher strafbar ist, eine solche der Amtskirchen aber harmlos sein soll, kann kein Psychiater auflösen. Der Kirchenmann Georg Scharf erläutert das Schneider´sche Geschäftsmodell so: Gerade Kindern müsse man darlegen, dass Sünder in der ewigen Hölle "furchtbar leiden werden". Denn die Psyche des Kindes sei "mehr auf den Glauben als auf das Durchschauen angelegt". Die Rechtsmedizin des UKE Hamburg allerdings hält die Androhung von Feueranwendung für „nicht akzeptabel“. Folterandrohung steht natürlich dem Grundgesetz (Würde) und § 241 StGB, Bedrohung, entgegen. Wer mit Hölle droht, ist ein Verbrecher, denn der, der angeblich in einer Hölle Sündern tüchtig aufheizt, ist wissenschaftlich und damit juristisch definitiv tot. Ein Auferstehungsglaube hat in den Amtszimmern der BRD nichts verloren.
Die Bevölkerung ist ein Spiegelbild der jeweiligen Psychiatrie. Auch das Kollektiv verdrängt die Hölle und die dortigen Strafen. Man ist pikiert, wenn jemand das Thema auch nur anspricht. Ja man stuft den Aufklärer als paranoid ein, ist aber selbst in dem Wahn befangen, die Sache könne harmlos sein. Allerhöchsten Kinder würden an derartige Strafen und dann auch nur vereinzelt glauben. Doch der Widerstand gegen eine Analyse der Situation und die enorme, fast lückenlose Bereitschaft, die beschriebene Kriminalität der Amtskirchen unter den Teppich zu kehren, entlarven die wirkliche Konstellation. Jeden anderen, der Kindern offen Folter androht, würde man anzeigen. Bei den Amtskirchen überlässt man diese Vorgehensweise einem Internisten. Zu groß sind eigene verdrängte Ängste und die Furcht, es könne doch etwas dran sein an der Ewigkeit, am Kochtopf eines ewig folternden Jesus. Mit potentiell folternden Systemen stellt man sich besser gut. Dies ist mit ein Grund, sie nicht erst entstehen zu lassen, den Anfängen zu wehren. Denken wir an die Zeit unter Hitler. Steckte im Jubel um seine Person im Hintergrund auch Angst, Angst vor der Gestapo? Besser man „liebt“ einen Despoten und schwenkt ein Fähnchen, als sich mit ihm anzulegen. Das ist die Grundlage des Stockholm–Syndroms. Doch es gibt auch etliche, und die werden immer zahlreicher, die das Tun der Amtskirchen ungeschminkt sehen und als Straftat einordnen.
5 Antworten auf Folter von Frank Sacco
1. Saco sagt:
7. Februar 2017 um 09:30
Das passte ja gestern: Im ZDF lief um 20.15 „Neben der Spur“ als Folterfilm. Der Verbrecher nagelte die Mutter in einen Sarg und folterte die Tochter. Je weniger die Mutter im Sarg atmen würde, umso geringer werde seine Folter der Tochter ausfallen, so der Mann. In allerletzter Sekunde kam Rettung für alle.
Während meine 40-jährige Lebensabschnittsgefährtin Ute die Sendung sehen wollte, verlangte ich eine Umschaltung zu Jauch. Je tiefer Angst verdrängt ist, umso leichter fällt die Perzeption von Folterszenen und umgekehrt. Das stellt die bisherige Auffassung, Jugendliche würden durch Folterspiele an der Konsole radikalisiert, auf den Kopf. Sie werden im Gegenteil durch Folterandrohung ängstlich gemacht und therapieren so ihre verdrängten Ängste. Wer ihnen ernsthaft Angst vor ewiger Folter macht, steht im obigen Artikel.
4. Saco sagt:
10. Februar 2017 um 18:17
vorgestern lief Kill Bill, Vol. 2
Die Braut trug Schwert "Pulp und Sühne".
In "Kill Bill, Vol.2" serviert Uma Thurmann ihre Rache. Quentin Tarantino zeigt erneut, was er kann: Präzise inszenieren, optisch brillieren und entspannt zitieren", so die Frankfurter. Uma schneidet ca. 90 Minuten vorwiegend Männern die Extremitäten ab mit einem besonderen Schwert. Fontänen von Blut. Da ichs ansehen konnte, hab ich auch ne Macke.