Folter
Menschen wie Tiere besitzen Nerven, die grenzenlos stimuliert werden können. Es gibt sowohl psychische als auch physische Schmerzreize; ursprünglich dienten sie dazu, das Individuum vor schweren Verletzungen zu schützen. Die Kehrseite ist bekannt: Die Nervenfasern können einer „übermäßigen“ Reizung ausgesetzt werden, was zu einer höchst unangenehmen sensorischen Überlastung führt. In solchen Fällen spricht man von Folter.
Zustände, die einer Folter gleichkommen, existieren auch in der Natur. Wenn ein Wal strandet, können wir seine Qualen nachempfinden; folglich werden große Anstrengungen unternommen, ihn zu befreien und ins offene Wasser zurückzubringen. Krankheitserreger oder Krebsviren können Menschen durch Schmerzen oder Atemnot in einen folterähnlichen Zustand versetzen – ein unbeabsichtigter Vorgang. Die Medizin kann hier Abhilfe schaffen. Erst der Mensch brachte das Element der Absicht in die Folter. Der US-Präsident behauptet, Folter sei wirksam; tatsächlich hält er sie offenbar für ein legitimes Mittel. Diese Haltung disqualifiziert ihn kurz nach seinem Amtsantritt. Humanisten hingegen vertreten ein striktes Prinzip: Nulltoleranz gegenüber Systemen, die Folter anwenden.
Oft ist uns nicht bewusst, in welchem Maße Folter – oder die Angst davor – unser Leben bestimmt. Doch diese Angst lauert stets unter einer hauchdünnen Schicht aus Gelassenheit und Ruhe, bereit, in Panik umzuschlagen. Ein Beispiel hierfür ist die Angst vor einem Flugzeugabsturz.
Die größte Angst der Menschheit – eine Tatsache, die selbst Psychiatern unbekannt ist – ist die Angst vor Folter. Selbst dem Neurologen, der die Ärztekammer Niedersachsen vertrat, war dies am 17. November 2009 nicht bewusst. Woran liegt das? Diese kollektive Angst muss tief verdrängt werden, damit wir uns im Alltag nicht zutiefst unwohl fühlen; wir müssen arbeits- und denkfähig bleiben. Die „gesunde“ Allgemeinheit bewältigt diese Angst durch die ständige Konfrontation mit ihr. Das mag paradox erscheinen. Doch schon Goethe lehrte, dass es genau so funktioniert. Hexenverbrennungen waren öffentliche Spektakel. Heutzutage vergeht kaum ein Fernsehabend ohne drastische Folterdarstellungen. Doch nicht jeder wird durch dieses flüchtige Schreckensszenario „beruhigt“: Menschen, die unter Depressionen leiden, können solche Sendungen nicht ertragen.
Hat Kafkas Erzählung In der Strafkolonie die Nerven ihres depressiven Autors beruhigt? Die mechanische, werkzeugartige Beschaffenheit des dort beschriebenen Folterapparats nahm Auschwitz auf geradezu prophetische Weise vorweg. Ermöglichte sie den Tätern von Auschwitz womöglich sogar, den Sadismus auszuleben, der aus ihren eigenen unbewussten Ängsten herrührte? Wirkt das Grauen beruhigend auf Norweger, die an die langen Nächte gewöhnt sind? Die Theaterregisseurin Lisa Lie sagt, sie könne über das Grauen herzhaft lachen. Sie ist fasziniert vom Erfindungsreichtum der Folter: „Auf mittelalterlichen Jahrmärkten warf man Körbe mit Katzen auf den Scheiterhaufen – wegen des amüsanten Lärms, den sie dabei machten“, bemerkte sie am 1. Februar 2017 in der Zeitung *Die Welt*. Doch nicht jeder empfindet dieses flüchtige Spektakel des Schreckens als „beruhigend“: Menschen, die unter Depressionen leiden, können sich solche Sendungen nicht ansehen. Ihnen fehlt jene dünne Schutzschicht, die die Psyche abschirmt. Würden Wale riesige Fernsehgeräte im Ozean aufstellen und Nacht für Nacht zusehen, wie andere Wale in Stücke gehackt werden, hielten wir sie für wahnsinnig. In diesem Sinne sind Menschen wahnsinnig. Sie wissen zu viel über das Geschäft der Folter.
Die größte Angst des Menschen macht ihn lenkbar. Selbst sehr reiche Menschen fürchten oft, ärmere könnten ihnen etwas nehmen. Analytisch fürchten sie (in einem Wahn), zu verhungern.
Man kann das Phänomen Angst vor Folter geschäftsmäßig einsetzen, wie es z. B. die Amtskirchen tun. Der Paderborner Erzbischof Becker zitiert vorsichtshalber schon 2-jährige in seinen Dom zum Hauptgottesdienst. Sie sollen dort den Altar mit einem Jesus am Kochtopf anschauen. Bischof N. Schneider, EKD, erklärt, die Androhung jenseitiger Strafen sei ein „Geschäft“ der Kirchen (Spiegelinterview 43/2014). Gewisse Sünder kämen in das „ewige Feuer“ Jesu, so erläutert es der Geschäftsmann Schneider folgerichtig unseren Kindern im Buch „Von Erdenherzen und Himmelsschätzen".
Und wieder versagt unsere Psychiatrie. Auf einem internationalen Kongress wurde der Vortragende Prof. Diefenbacher, Berlin, nach den Auswirkungen derartiger religiöser Androhung gefragt. Die schriftliche Antwort: gravierende Störungen könne das bei Kindern nicht auslösen. Dem steht der Skandal ADS in Würzburg entgegen. Den Widerspruch, dass jede ernstgemeinte Folterandrohung bereits Folter ist, sehr krank macht, und daher strafbar ist, eine solche der Amtskirchen aber harmlos sein soll, kann kein Psychiater auflösen. Der Kirchenmann Georg Scharf erläutert das Schneidersche Geschäftsmodell so: Gerade Kindern müsse man darlegen, dass Sünder in der ewigen Hölle "furchtbar leiden werden". Denn die Psyche des Kindes sei "mehr auf den Glauben als auf das Durchschauen angelegt". Die Rechtsmedizin des UKE Hamburg allerdings hält die Androhung von Feueranwendung für „nicht akzeptabel“. Folterandrohung steht natürlich dem Grundgesetz (Würde) und § 241 StGB, Bedrohung, entgegen. Wer mit Hölle droht, ist ein Verbrecher, denn der, der angeblich in einer Hölle Sündern tüchtig aufheizt, ist wissenschaftlich und damit juristisch definitiv tot. Ein Auferstehungsglaube hat in den Amtszimmern der BRD nichts verloren.
Die Bevölkerung ist ein Spiegelbild der jeweiligen Psychiatrie und umgekehrt. Auch das Kollektiv verdrängt die Hölle und die dortigen Strafen. Man ist pikiert, wenn jemand das Thema auch nur anspricht. Ja, man stuft den Aufklärer als paranoid ein, ist aber selbst in dem Wahn befangen, die Sache könne harmlos sein. Allerhöchsten Kinder würden an derartige Strafen und dann auch nur vereinzelt glauben. Doch der Widerstand gegen eine Analyse der Situation und die enorme, fast lückenlose Bereitschaft, die beschriebene Kriminalität der Amtskirchen unter den Teppich zu kehren, entlarven die wirkliche Konstellation. Jeden anderen, der Kindern offen Folter androht, würde man anzeigen. Bei den Amtskirchen überlässt man diese Vorgehensweise einem Internisten.
Zu groß sind eigene verdrängte Ängste und die Furcht, es könne doch etwas dran sein an der Ewigkeit, am Kochtopf eines ewig folternden Jesus. Mit potentiell folternden Systemen stellt man sich besser gut. Dies ist mit ein Grund, sie nicht erst entstehen zu lassen, den Anfängen zu wehren. Denken wir an die Zeit unter Hitler. Steckte im Jubel um seine Person im Hintergrund auch Angst, Angst vor der Gestapo? Besser man „liebt“ einen Despoten und schwenkt ein Fähnchen, als sich mit ihm anzulegen. Das ist die Grundlage des Stockholm–Syndroms. Doch es gibt auch etliche, und die werden immer zahlreicher, die das Tun der Amtskirchen ungeschminkt sehen und als Straftat einordnen.
Die größte Angst eines Menschen macht ihn anfällig für Manipulation. Selbst sehr wohlhabende Menschen fürchten oft, dass ihnen weniger Begüterte etwas wegnehmen könnten; analytisch betrachtet hegen sie die wahnhafte Angst, den Hungertod zu erleiden.
Das Phänomen der Angst vor Folter lässt sich geschäftlich nutzen, wie es die etablierten Kirchen tun. So lädt beispielsweise Erzbischof Becker aus Paderborn bereits Zweijährige zum Hauptgottesdienst in seinen Dom ein, wo sie auf einen Altar blicken sollen, der Jesus neben einem Kochtopf darstellt. Bischof N. Schneider von der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) hat erklärt, dass die Androhung von Strafen im Jenseits ein „Geschäft“ der Kirchen sei (Spiegel-Interview 43/2014). Bestimmte Sünder – so erklärt Schneider unseren Kindern logisch in seinem Buch *Von Erdenherzen und Himmelsschätzen* – würden in Jesu „ewigem Feuer“ landen.
Und wieder einmal lässt uns die Psychiatrie im Stich. Auf einer internationalen Konferenz wurde der Referent Prof. Diefenbacher (Berlin) nach den Auswirkungen gerade solcher religiösen Drohungen gefragt. In seiner schriftlichen Antwort behauptete er, dies könne bei Kindern keine schweren Störungen auslösen. Diese Haltung steht in krassem Widerspruch zum „ADS-Skandal“ von Würzburg. Kein Psychiater vermag den Widerspruch aufzulösen, dass zwar jede ernsthafte Androhung von Folter an sich schon Folter darstellt – da sie schwere psychische Schäden verursacht und somit eine Straftat ist –, solche Drohungen seitens der etablierten Kirchen jedoch irgendwie als harmlos gelten. Der Kirchenvertreter Georg Scharf erläutert Schneiders Geschäftsmodell wie folgt: Insbesondere Kindern müsse man sagen, dass Sünder in der ewigen Hölle „schrecklich leiden“ würden, da die Psyche eines Kindes „eher auf Glauben als auf kritisches Verständnis ausgerichtet“ sei. Das Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg (UKE) hält die Androhung, dem Feuer ausgesetzt zu werden, hingegen für „inakzeptabel“. Die Androhung von Folter verstößt naturgemäß gegen das Grundgesetz (hinsichtlich der Menschenwürde) sowie gegen § 241 des Strafgesetzbuches (Verbot der Bedrohung). Wer anderen mit der Hölle droht, ist ein Krimineller, denn die Gestalt, die angeblich die Feuer für Sünder in der Hölle schürt, ist – wissenschaftlich und damit rechtlich – definitiv tot. Der Glaube an die Auferstehung hat in den Ämtern der Bundesrepublik Deutschland keinen Platz.
Die Bevölkerung ist ein Spiegelbild der vorherrschenden psychiatrischen Landschaft – und umgekehrt. Auch das Kollektiv verdrängt die Vorstellung von der Hölle und den dort verhängten Strafen. Die Menschen fühlen sich vor den Kopf gestoßen, wenn das Thema auch nur angesprochen wird. Tatsächlich stempeln sie denjenigen, der das Thema zur Sprache bringt, als paranoid ab, während sie selbst in der Wahnvorstellung gefangen bleiben, die Sache sei harmlos. Sie behaupten, nur die allerjüngsten Kinder – und selbst diese nur gelegentlich – glaubten an solche Strafen. Doch der Widerstand gegen eine Analyse der Situation, gepaart mit einer enormen, geradezu universellen Bereitschaft, die nachweisliche Kriminalität der etablierten Kirchen unter den Teppich zu kehren, offenbart den wahren Sachverhalt. Jeder andere, der Kindern offen mit Folter droht, würde bei den Behörden gemeldet werden. Im Fall der etablierten Kirchen hingegen wird diese Aufgabe einem Internisten überlassen.
Warum? Die eigenen verdrängten Ängste der Menschen sind zu groß, ebenso wie die Furcht, dass an der Vorstellung der Ewigkeit – an dem kochenden Kessel eines ewig folternden Jesus – tatsächlich etwas Wahres dran sein könnte. Es ist sicherer, sich mit Systemen gut zu stellen, die zu Folter fähig sind. Dies ist ein Grund, warum wir verhindern müssen, dass solche Systeme überhaupt erst entstehen – warum wir sie im Keim ersticken müssen. Betrachten wir die Ära Hitlers: War die Verehrung, die ihm entgegengebracht wurde, von Angst untermauert – Angst vor der Gestapo? Es ist besser, einen Despoten zu „lieben“ und mit einem Fähnchen zu winken, als sich ihm zu widersetzen. Darauf beruht das Stockholm-Syndrom. Doch es gibt auch nicht wenige Menschen – und ihre Zahl wächst –, die das Handeln der etablierten Kirchen ohne Schönfärberei betrachten und als Straftaten einordnen.
Antworten auf Folter auf FB von Frank Sacco
1. Saco sagt:
7. Februar 2017 um 09:30
Das passte ja gestern: Im ZDF lief um 20.15 „Neben der Spur“ als Folterfilm. Der Verbrecher nagelte die Mutter in einen Sarg und folterte die Tochter. Je weniger die Mutter im Sarg atmen würde, desto geringer werde seine Folter der Tochter ausfallen, so der Mann. In allerletzter Sekunde kam - wie immer - Rettung.
4. Saco sagt:
10. Februar 2017 um 18:17
Die Braut trug Schwert "Pulp und Sühne".
In "Kill Bill, Vol.2" servierte uns Uma Thurmann ihre Rache. Quentin Tarantino zeigt erneut, was er kann: Präzise inszenieren, optisch brillieren und entspannt zitieren", so die Frankfurter. Uma schneidet ca. 90 Minuten vorwiegend Männern die Extremitäten ab mit einem besonderen Schwert. Fontänen von Blut.