Glaube in der Kirche

Glaube in der Kindheit Kindliche Grundbedürfnisse in Gefahr: Liebe, Geborgenheit und Sicherheit sind kindliche Grundbedürfnisse, auf die unsere beiden Großkirchen Kirchen brutal und zerstörerisch einwirken

 
Kindliche Grundbedürfnisse in Gefahr: Liebe, Geborgenheit und Sicherheit sind kindliche Grundbedürfnisse, auf die unsere beiden Großkirchen Kirchen brutal und zerstörerisch einwirken
 

Liebe, Geborgenheit und Sicherheit bzw. auch nur das Gefühl, dass dies gesichert ist, sind die Dinge, die ein Kind am meisten braucht. Diese unbedingte und für die Entwicklung eines Urvertrauens notwendige Sicherheit bekommt es in seiner christlichen Erziehung leider nicht. Es bekommt das gerade Gegenteil. Martin Baierl, Psychologischer Psychotherapeut in der LWL Klinik Hamm: „Vorhersagbarkeit, Berechenbarkeit und Kontrollierbarkeit helfen Ihrem Kind dabei, Sicherheit zu gewinnen“. In einer Kirche heutiger Art werden diese vier Dinge oftmals brutal zerstört. Hier ist das Kind dem Kirchenkonstrukt Bibeljesus mit dessen nur eventuellen Gnade bzw. mit seiner möglichen Ungnade  ohnmächtig ausgeliefert. Eine Ungnade Gottes setzt ein Kind automatisch mit einer ewigen Höllenstrafe gleich. Dieser Gott kennt keine Zwischentöne. In der Erziehung sei „klare Ablehnung von Gewalt“ wichtig, so Baierl. Wie verträgt sich das mit den ganz offiziellen Statements unserer Kirchen, dass es eine ewige Folter geben wird? Es verträgt sich nicht.

 
Der ausgedachte Gott der Bibel knüpft wie kein anderer seine Liebe an zigtausende Bedingungen. Liebesentzug ist seine Spezialität.
In ihrem Buch „Immer diese Schuldgefühle“ berichtet die gläubige Therapeutin Erika Sonnenberg über Ihre Erfahrungen. Sie weiß, wie schlimm Schuldgefühle sind, wie sehr sie krank machen. Echte Schuldgefühle würden aus dem „göttlichen Urteil“ kommen. Ablehnung führe bei Kindern zu Selbstablehnung und zu Minderwertigkeitsgefühlen. Sie sollten glauben, dass Gott sie bedingungslos liebe, sie annehme und ihnen vergebe, „dann“ könnten sie ihn auch lieben.  Später zitiert die Therapeutin aber unseren Kindern Bibel-Jesus in Matthäus 10,37: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht würdig.“ Und 1. Johannes 1,9: „Wenn wir unsere Sünden bekennen“, „dann“ sei Gott treu und gerecht. Gott sei also doch nur unter bestimmten Bedingungen treu und gerecht. Aus der Aussage der Theologin  folgt: Unsere Kinder können Gott nicht lieben. Ihre „Gottesliebe“ ist analytisch  betrachtet Gottesfurcht.

Der Gott der Bibel knüpft wie keine andere Über-Ich-Person seine Liebe an zigtausende, gar nicht einzuhaltende Bedingungen. Liebesentzug ist seine besondere Spezialität. In dieser Richtung ist er radikaler, als Eltern es je sein können. Das produziert Krankheiten. Die Autorin sollte auch Textstellen wie 2 Thess.1, 7-9 nicht ignorieren. Ewige „Feuerflammen“ als „Rache“ kündigt dieser Gott unseren Kindern an, wenn man ihn nicht anerkenne. Damit ist er für sie unberechenbar und Schuld am Kardinalsymptom unserer Autisten und Borderline-Patienten: Sie vertrauen dieser, der Gottesliebe  nicht – und damit keiner Liebe. Der Gott unserer beiden Großkirchen  ist unseren Kindern unberechenbar. Luther hat übrigens den Gott des Protestantismus noch unberechenbarer gemacht (siehe dort).

Bedrohung und Unterbewusstsein

Aus der Psycho

analyse wissen wir, dass viele Erlebnisse vom Kind als überwältigend bedrohlich erlebt werden, ohne dass es die Bedrohung effektiv abwehren kann. „Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um echte Bedrohungen handelt oder um Fehleinschätzungen des Kindes. Die ins Unbewusste abgeschobenen Bedrohungen bleiben aber aktiv ein Leben lang“, so Martin Baierl. „Ausschlaggebend ist dabei der subjektive Grad der Bedrohung. Bei Jüngeren kann dies auch durch Geschichten (oder Fernsehprogramme, der Verf.), die als real erlebt werden, geschehen. Das Trauma wird oft nicht als zusammenhängendes Ereignis erinnert, sondern als unzusammenhängende Einzeleindrücke (Fragmentierung). Dies führt dazu, dass über das Erlebte manchmal nicht gesprochen werden kann, Erinnerungen fehlen.“ Die moderne Hirnforschung belegt, „dass fast die komplette menschliche Informationsverarbeitung unbewusst geschieht“.

Nun verstehen wir aber, dass wir in aller Regel im Bewusstsein nicht, im Unterbewussten aber  doch sehr wohl   an Gottes angebliche ewige Folter glauben. Es erscheint unserem Bewusstsein   geradezu lächerlich, sich mit Hölle und Höllenglauben überhaupt zu beschäftigen. In unserem Bewusstsein glauben wir, die Sache mit der Hölle nie auch nur irgendjemandem geglaubt zu haben, und dies trotz aller und jahrelanger Bemühungen der Geistlichkeit.  Wir fühlen uns da in der Regel modern. Es ist eine Täuschung.

 
Die Maximalangst Hölle ist oft Ursache sowohl von Schizophrenie als auch von Autismus
 
 

Verherrlichung angeblich göttlicher Gewalt: „[…] und die Sintflut kam und brachte sie alle um.“ (Lukas 17, 27); Kein guter Umgang: Das Spielzeug stellt Gott zwar als Erretter in den Vordergrund, vermittelt aber zugleich denselben Gott als gnadenlosen Vernichter aller anderen Lebewesen, ob Mensch oder Tier. Nur acht Erwachsene überlebten diese (angebliche) globale Flut. Nach Kirchenlehre wäre das natürlich der erste Holocaust gewesen, definiert sich ein Holocaust doch über mindestens 6 Millionen Ermordete. Für mich ist dies ein schrecklicher und ein Gott entwürdigender Gedanke. Meine Kirche entwürdigt Gott.
Und: Die Gesellschaft kann die Sintflut in der Regel nicht als Holocaust einordnen, selbst in Deutschland nicht. Die Ursache: Da Glaube mittels einer Suggestivtechnik gelehrt wird, landen die Mythen im Lobus parietalis superior, also im Scheitellappen. Es ist dies  das mythenbildende Zentrum unseres  Gehirnes. Aus Glaubensinhalten werden so „gefühlte Erfahrungen“. Das sind  eigentlich aber Pseudoerfahrungen. Der kortikale Mantel des Gehirnes, in dem Kritikfähigkeit und Vernunft herrschen, hat zu dieser ältesten Hirnregion zunächst keinen Zugang. Schade – aber es erklärt uns den beschriebenen Verstandesverlust innerhalb von Kirchenmauern.

Bei mit Archen spielenden Kindern ist aber auch immer der Gedanke in ihrem Hinterkopf: „Warum mussten so viele unschuldige Tiere sterben? Was hat mein Gott da nur gemacht? „  Gleich anschließend an diesen Gedanken fordert man unsere Kinder noch auf, diesen Gott, dieses Gottesbild  zu lieben (siehe dazu 2. Mose 20, Lukas 10). Ja das Lieben dieses Gottes sei sogar sein allerhöchstes Gebot! Arme Kinder. Was verlangt man da von ihnen! Ich konnte als Kind schon Hitler nicht lieben.

„Lego Concentration Camp“ von Zbigniew Libera, 1996

Seelische kirchliche Gewalt, eingeredete Schuld und Kinderangst

Das Lego-KZ des polnischen Künstlers ZBIGNIEW LIBERA verdeutlicht, wie unangemessen und pervers es eigentlich ist, Massentötungen – und seien sie auch nur gleichnishaft gemeint –  in spielerische Kontexte zu stellen. Oder würden Sie Ihrem Kind ein solches Lego-KZ zu Weihnachten schenken? Soll man tatsächlich Kindern Archen schenken oder ihnen im Gegenteil darlegen, dass die Sintflut ein grausames, gottverachtendes Märchen zum Angstmachen und damit zum Geldverdienen  ist?  Das einzig Gute an der Sintflutstory ist aber Folgendes: Sie verdeutlicht uns exemplarisch, dass die Bibel nicht Gottes Wort ist. Gott, die Liebe, würde sich nicht in dieser Form als Täter eines verbrecherischen Holocaust outen. Das von der Bibel vermittelte Gottesbild ist eine Projektion. Doch dazu gleich.

Durch die Behauptung der Kirchen, „alle Gerichte Gottes“ seien gerecht, will der Klerus „Gott“-kritik bzw. Kirchenkritik im Ansatz unterbinden. Kardinal Meisner meint, die Welt gehe so vor die Hunde. Wir seien überfordert, wenn wir selbst bestimmen wollten, was gut und was böse ist (Die Welt, 22.12.12).  Nun, ich bleibe bei meiner Behauptung: Ein Holocaust ist böse, auch wenn der Gott meiner Kirche ihn gemacht haben soll und meine Kirche ihn unseren Kinder gegenüber dogmatisch als eine durchaus gute und gerechte Sache hinstellt. Die Gruppe 49 hat es sich zur Auflage gemacht, den Deutschen beizubringen, dass ein Holocaust nie gerecht ist.  Auch die in Glaubensfragen sonst eher konservativ eingestellte Niedersächsische Ärztekammer legte sich  über ihren Juristen dahingehend fest: Ein Holocaust sei „nicht ethisch vertretbar“. Ich glaube da auch meinem ehemaligen Deutschlehrer mehr als  Kardinal Meißner und seiner Bibel, die schon Friedrich der Große als ein orientalisches Märchenbuch identifizierte.  Vor 2000 Jahren hatte man halt noch  andere Rechtsauffassungen als heute – heute nach 1945. Das damalige Recht war meist falsch. Es war bereits damals Unrecht, denn es gibt so etwas  wie eine absolute Ethik.  Unerträglich ist das Feiernlassen der Sintflut in Kindergärten als gerechte Strafe. Einen Holocaust dürfe man in Deutschland nach 1945 nicht feiern, so die Polizistin Caspari, Polizeiinspektion Hannover Mitte am 30.1.13.  Sie war sich da sicher. Auch das Aussprechen des Inhaltes von Johannes 8/44 sei nicht gestattet; Die Juden sind nicht Kinder des Teufels. Wer, wie die Bibel, das Gegenteil behauptet, macht sich strafbar.
In 100 Jahren wird man erkennen, dass auch das jetzige Recht in vielen Dingen falsch lag. Es wird heißen: „Wie konnte man nur im Jahr 2013 Delinquenten jahrelang  in kleine Zellen sperren, von denen doch die meisten, was man damals schon wusste,  selbst nur Opfer von Gewalt waren und deren Weg daher wie mit einem Lineal vorgezeichnet war! So hatte man sie doch doppelt bestraft!“
Es existieren zahllose Beispiele, anhand derer gezeigt werden kann, auf welche Weise kirchlicher Glaube in Form von Aberglauben  Kindern auch heutzutage noch in schädlicher Weise und mit einiger Gewalt vermittelt wird. Weil wir aber in unserer christlich geprägten westlichen Welt von Beginn an mit all den traditionellen Erzählmustern der Kirchen aufwachsen, sind wir größtenteils blind für die Gefahren geworden, die von solchen Mustern ausgehen und die die psychisch-geistige Gesundheit und Entwicklung unserer Kinder gefährden.

Ich möchte an dieser Stelle drei Beispiele anführen

In Rolf Krenzers Die Osterzeit im Kindergarten, einem Lehrbuch für Kindergärtnerinnen, das sich gegenwärtig im Bestand zahlloser Kindergärten befindet, versucht sich die bibeltypische Höllenandrohung in den Kinderköpfen Bahn zu brechen. Und dies in „einfacher Sprache“, wie es heißt, um das „Auffassungsvermögen“ der Kinder anzusprechen. Ein Gebetsvorschlag von Krenzer lautet: „Jesus, wir haben von deinem Leiden gesprochen…, der Weg, der dich leiden ließ und dich schließlich ans Kreuz führte, bis zum Tod. Du bist für uns gestorben… wie können wir dir danken? Amen.“ Im Lied „Freud Euch“ (Osterlied) wird zahllosen Kindern eben nicht Freude, sondern das Bild eines übergrausamen Gottes vermittelt, der seinen Sohn statt ihrer den Kreuzestod erleiden ließ. Ein tiefes Dankbarkeits- und Schuldgefühl soll auf diese Weise vermittelt werden: „2. Strophe : Jesus war ans Kreuz geschlagen, hat für uns den Tod ertragen… 3.Strophe: Jesus trug für uns die Schmerzen, und wir danken ihm von Herzen…“  Leider werden viele Kinder   wegen dieser eingeredeten und dann tief verdrängten  „Schuld“ an diesem höchst grausamen Kreuzestod spätere Psychiatrie-Dauerpatienten. Pastor Traugott Giesen spricht gar von der „Mittäterschaft“ unserer Kleinen. Zuhause äußert sich ein derart missbrauchtes Kind nicht. Der Missbrauch führt zu einem „Sprachloch“, das sich mit den Jahren noch vergrößert.
Im Buch „Das Sacco-Syndom“ ist aber aufgelistet, wie sich Kinder fühlen, die stundenlang durch diese grausame Schuldbrühe gezogen werden. Eines will sich die Ohren zuhalten, darf es aber nicht. Ein Kind: „Das halte ich nicht aus“. Hier vollzieht sich grober Unfug und Kindesmissbrauch auch  im staatlichen Religionsunterricht. Welches Kind hält das schon aus, Schuld an einem  Kreuzestod zu sein? Aus solchen Kindern werden nach einer Latenz Erwachsene, die sich erhängen oder irgendwie sonst in Depressionen das Leben nehmen. Dass der oben beschreibene Sühnegedanke Unfug ist,  Gott entwürdigt und daher eine Sünde gegen Gott und den Geist Gottes ist,  bedeutet uns schon Papst Benedikt XVI: Der Sühnegedanke rücke Gott in ein „unheimliches Licht“ und unterstelle ihm, in „finsterem Zorn“ ein „Menschenopfer, das Opfer seines eigenen Sohnes“ gefordert zu haben. Das mache ja die Botschaft von einem  liebenden Gott „unglaubwürdig“! Im Vatikan durfte das Ratzinger als Papst nicht mehr sagen. Man hätte ihm etwas ins Essen getan. Schwere Krankheiten, das ist es, was dabei herauskommt, wenn man als Geistlicher oder Religionslehrer heiliger als der Heilige Stuhl sein will und einen gewissenlosen und zornigen Gott predigt oder schulisch vermittelt. 

 
„Wer ohne Filteranlage aus der Bibel trinkt, wird wahnsinnig“ (George Bernard Shaw)
 
                                                

Die kirchlichen Erzählmuster kombinieren Kreuzestod und Kreuzesschuld mit Höllenandrohung und Himmelsversprechen – letzteres allerdings nur bei eventuell eintretender Gnade eines „Retters“. Wovor soll dieser Retter aber retten? Die dubiöse Antwort meiner Kirche: Vor seinem grausamen Vater und vor einer angeblichen Feuerhölle, die dieser Retter aber selbst – und nach Angabe des Vatikans schon heute leitet. Bei vielen Menschen führt dieses Glaubenskonstrukt allerdings meist erst nach einer jahre- oder sogar jahrzehntelangen Latenzphase, wie sie für Neurosen typisch ist, zu schwersten psychischen Erkrankungen bis hin zum Suizid.

 
Ein zweites Beispiel ist der Kleine Katechismus Martin Luthers, der heute noch Bestandteil vieler Gesangbücher ist und als das offizielle Lehrbuch des Luthertums für unsere Kinder gilt. In einem  Vorwort spricht Pastor Hans Just von einer „unentbehrlichen Grundlage für den Religionsunterricht“ und Prof. Dr. theol. Ernst-Wilhelm Kohls von einem „idealen Hilfsmittel“, das uns Gott selbst geschenkt habe. Unsere Kinder können auf solche Geschenke allerdings verzichten.
Im zweiten Hauptstück wird in diesem „Geschenk“ unseren Kleinen erklärend verkündet, was sie gegebenenfalls erwartet: Der „Reformator“  Luther: „Was ist die ewige Verdammnis?“ Es sei die „unaufhörliche Verwerfung… zu unaussprechlicher Pein und Folter an Seele und Leib unter der schrecklichen Gesellschaft der bösen Geister in der Hölle“. Mit Feuerflammen werde Jesus Rache nehmen an denen, die „Gott nicht erkennen“, so wird 2Thess.1 von Luther zitiert. Das ist sehr eindeutig für unsere Kinder formuliert und kann weder symbolisch gedeutet noch in einen abmildernden größeren Zusammenhang gestellt werden. Luther meint seine Drohungen auch gar nicht symbolisch. Was muten wir nur unseren Kleinen  zu?
Dieses autistogene Lehrbuch hat tausende Kinder sterbenskrank gemacht und wird es auch weiterhin unter den sehenden Augen unserer Justiz  tun. Nicht jedes Kind verträgt die Androhung ewiger Feuerfolter! Kaum ein Kind verträgt sie. Die heutige Kirche ist in ihrer jetzigen Form  Form nichts für Kinder. Irgendwann wurden die Kirchen vom Staat  gezwungen, Verbrennungen auf den Scheiterhaufen zu unterlassen. Noch immer dürfen sie aber die Seelen unserer Kinder verbrennen. Das lassen sie sich (noch) nicht nehmen. Der körperliche Verbrennungstod ist zwar im Moment äußerst schmerzhaft, eine lebenslange Depression ist aber damit nicht zu vergleichen. Sie ist schlimmer. Vor etwa 25 Jahren schrieb ich ein kleines Gedicht über die schlimmste aller Krankheiten:

Depression

Verbrennen ohne Feuer
Ertrinken ohne Wasser
Weinen ohne Tränen
Am Kreuz hängen
Und nicht sterben
Vögel, Blumen, Sonne
Und doch nur Qual.

 
Durch ein perfides Erfinden, Konfrontieren und Operieren von und mit Höllenbildern entsteht beim Kind ein Gott-Ich, das der Kirche dabei hilft, Eigeninteressen durchzusetzen.
 
 
 

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker ruft Eltern dazu auf, Kinder möglichst früh mit in den Gottesdienst zu nehmen. Er zeigt uns dazu ein Kleines: noch fast ein Baby. Dass Kinder dabei auch  Gewaltdarstellungen brutalster Art (z.B. Höllenbilder an Beckers Margarethen- Altar) inhalieren, hält er für ein „urtümliches religiöses Erlebnis, das ihnen den Weg bahnt für eine besondere Sensibilität gegenüber dem Kirchenraum und der Feier des Gottesdienstes.“ Auf meine Aufforderung, das Bild abzuhängen, reagierte Becker nicht.

Im Paderborner Dom, meinem dritten Beispiel, ist am Margarethenaltar ein Bild zu sehen, das einen sich Menschen kochenden Jesus zeigt. Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker will, dass sich die Kleinen „so früh wie möglich“ dieses Altarbild ansehen. Er zeigt den Eltern dazu im Kirchenblatt einen in etwa Zweijährigen! Das bahne eine „besondere Sensibilität“. Das ist leider richtig. Und er weiß und rechnet damit, dass Kinder alles glauben, was sie in Kirchen gezeigt, „gelehrt“ bekommen. So entsteht durch ein perfides Erfinden, Konfrontieren und Operieren von und mit Höllenbildern beim Kind ein krankmachendes Gott-Ich, das aber der Kirche dabei hilft, Eigeninteressen durchsetzen zu können.
Ist elterliche Gewalt mit „Gottes“ Gewalt zu vergleichen? Jedes Kind weiß, dass der eigene Vater nie eine Ewigkeit lang strafend mit Feuer quälen kann, da dieser Vater irgendwann von der Polizei verhaftet oder sterben wird. Die Phantasieprodukte der Kirche, so behauptet es das kirchliche Establishment, sterben indes nie. Ihre Folter höre nie auf. Das begreifen Kinder! Ein einfacher,  wirksamer, aber natürlich oft tödlicher Trick. Dabei ist der Freitod oft noch das geringste Übel. Eine lebenslange Depression ist schrecklicher als jeder Tod. Wir lernen aber: Wo „Dom“ oder „Kirche“ draufsteht, ist der wirkliche Gott, die bedingungslose Liebe,  selten drin. Das sollten wir alle gemeinsam zu ändern versuchen.
 
Es ist unverständlich, dass unsere Analytiker die Schuld an seelischen Erkrankungen permanent bei den Eltern sehen, beinahe aber nie bei den eigentlich schuldigen Geistlichen.
 
Der Grad des Kinder schädigenden Sadismus einer solchen Gottesvorstellung kann also niemals den der Eltern auch nur im Entferntesten erreichen. So ist es auf den ersten Blick daher ganz unverständlich, wenn unsere Analytiker, so auch Alice Miller in „Das Drama des begabten Kindes“, Schuld an seelischen Erkrankungen ebenso permanent wie penetrant bei den Eltern sehen, beinahe aber nie bei den Geistlichen oder gar bei den von ihnen erfundenen Zerrbildern von Göttern. Nun habe ich aber einen zweiten Blick getan und die Psychoanalytiker analysiert (in „Die Neurose der Psychiatrie“). Das mochten sie nun gar nicht. Die Dachgesellschaft DGPPN  antwortete nicht einmal auf einen sehr ernsten Brief im Jahr 2008, in dem  ich ihr meine Analyse der Psychiatrie  unterbreitete.

Leider lernen aber auch Eltern manchmal schnell und oft unbewusst, wie einfach sich mit dem lieben Gott erziehen lässt. Mütter sagen dann nicht, der Vater werde das Kind verhauen, sie sagen,  Gott werde es strafen. Das macht die bravsten Kinder. Damit liefert man aber sein Kind einem verrückten Gewaltgott aus, der den Kleinen in jeder Kirche beispiellos brutal geschildert wird. Er verbrennt und ertränkt  wehrlose und unschuldige Kinder und schickt zur Not auch einmal „wilde Tiere“, damit sie die Zöglinge unfolgsamer Eltern lebendig verspeisen sollen (Buch Mose). In vollem Ernst wird zu allem Überfluss in und von  unserer Gesellschaft Kindern dieser „Gott“ als Gerechtigkeit in Person  mit den Worten präsentiert: „Alle Deine Gerichte sind gerecht“ , so in alle Kirchen Würzburgs im Jahr 2010. Dort lief eine Ausstellung über die Apokalypse, also unser lebendiges Verbrennen und Ertrinken  in der Endzeit.  Die dortige St. Stephan Kirche haben wir daraufhin exemplarisch wegen Kindesmisshandlung und Bedrohung angezeigt. Es ist nicht gerecht, Kinder zu verbrennen. Durch die Ausstellung, durch die Brutalität der Ausstellungen in Würzburg, ist die Stadt zur Welthauptstadt kindlicher Angsterkrankungen geworden.

So böse ist aber Gott sei Dank kein Gott. Die Bibel dürfe man nicht wörtlich nehmen, sonst macht sie krank. Das lernten wir von  Eugen Drewermann. Man müsse sie symbolisch lesen. Aber gerade das ist  Kindern nicht möglich. Die sollen an den eindrücklichen Bildern und Gleichnissen haften und werden an ihnen sterbenskrank. Auch ist die Bibel gar nicht symbolisch, sondern in der Tat wörtlich gemeint. Vor 2000 Jahren war allerhöchste Brutalität der Schriftgelehrten halt Alltag. Fleißig wurden Gegner aufgrund eines erfundenen  „Gottesurteiles“ lebendig verbrannt. Dass unser Gott nicht brutal ist, wissen wir heute: Die Brutalität wurde Gott nur vom Klerus zugeschrieben. Analytisch sprechen wir hier von einer sog. Projektion. Was ist eine Projektion?  Die eigene Schlechtigkeit und die eigene egozentrische Rechtsauffassung, die gröbstes Unrecht war,  wurde Gott im Eigennutz vom Klerus zugesprochen, auf Gott projiziert.  Das macht Bischof Schneider als Schriftgelehrter noch heute: Nicht er verbrennt Sünder, nein, Schneider läßt verbrennen, und das ewig: Durch seinen „Gott“, der allerdings nur eine  traurige Erfindung ist. Wir können also analytisch gesehen von dem Gottesbild, das jemand ohne unter einem Zwang zu stehen vermittelt, unmittelbar auf seinen  Charakter schließen. Aber vielleicht steht Schneider ja unter Zwängen, von denen wir nichts wissen.

Und wenn auch das Kleinkind noch nicht alle Bibelstellen kennt, so ist doch die Bibel mitsamt einem Kinderglauben in der Erziehungsperson gespeichert. Der Speicherort im Erwachsenenhirn  heißt Über-Ich oder Gewissen. „Gott“ bzw. Vorstellungen von Gott gehen als Über-Ich bei Kontakten „Erziehungsperson–Kind“ verbal und averbal direkt auf das Kind über. Es hat, ob es will oder nicht, in aller Regel den Glauben der Eltern. Der Pfahl eines in der Kindheit vermittelten Aberglaubens steckt tief im Fleisch unseres  Unbewussten.