Im christlichen Kindergarten
Hier werden Kinder vom 2. bis zum 6. Lebensjahr "betreut". Auch Atheisten schicken ihre Kinder nichtsahnend in einen christlichen Kindergarten, wenn oder weil ein anderer Platz nicht zur Verfügung steht.
Eugen Drewermann: Vielen auch ungetauften Eltern sei die Taufe für ihr Kind wichtig. „Sie erhoffen sich Kraft und Schutz durch den Segen, den sie mit der Taufe verbinden“. Mit diesem Sakrament liefern sie aber heute noch ihr Kind schutzlos fundamentalistischen Dogmen der Amtskirchen aus. Dort weiß man: Mit den bekannten Dogmen Jüngstes Gericht, eventueller Nichtvergebung und Hölle muss man möglichst früh an Kinder heran: bereits vor Heranreifung eines kritischen Bewusstseins. Was alles im christlichen Kindergarten mit den Kleinen erarbeitet wird, entgeht den Eltern. Was ist nun Thema dort? Wie beginnt alles? Wie beginnt Kindesmissbrauch? Doch zuvor einige einleitende und sehr vernünftige Worte:
Kindererziehung mit Vernunft und Herz!
Martin Baierl, Psychologischer Psychotherapeut in der LWL Klinik Hamm, schreibt uns über unsere Kleinen: Liebe und Geborgenheit und Sicherheit seien die Dinge, die ein Kind am meisten braucht. Diese Sicherheit bekommt es, wie Sie, lieber Leser, sehen werden, in seiner christlichen Erziehung leider nicht. Es bekommt das gerade Gegenteil. Baierl: „Vorhersagbarkeit, Berechenbarkeit und Kontrollierbarkeit helfen Ihrem Kind dabei, Sicherheit zu gewinnen“.
In einer Kirche heutiger Art werden diese fünf Dinge zerstört. Hier ist das Kind dem Kirchenkonstrukt Bibeljesus mit dessen nur eventuellen Gnade bzw. mit seiner möglichen Ungnade (= Hölle) ohnmächtig ausgeliefert. In der Erziehung sei „klare Ablehnung von Gewalt“ wichtig, so Baierl. Wie verträgt sich das mit den ganz offiziellen Statements unserer Kirchen, dass es die ewige Hölle gibt, und mit dem offiziellen, noch erlaubten evangelischen Kirchenlied 234, in dem Gott angeblich „persönlich“ spreche „Dein Seel und Leib dort brennen muss...“? Dieses Lied soll mindestens bis zum Jahr 2034 in diesem Buch verbleiben! Hier protestierte ich offiziell. Kirchenleute und Psychiater bagatellisieren dieses Lied. Die EKD habe ich wegen dieses Liedes angezeigt.
Die Psychoanalyse geht davon aus, dass viele Erlebnisse vom Kind als „überwältigend bedrohlich“ erlebt werden, ohne dass es die Bedrohung effektiv abwehren kann. „Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um echte Bedrohungen handelt oder um Fehleinschätzungen des Kindes... Die ins Unbewusste abgeschobenen Bedrohungen bleiben aber... aktiv... ein Leben lang“, so M. Baierl. „Ausschlaggebend ist dabei der subjektive Grad der Bedrohung. Bei Jüngeren kann dies auch durch Geschichten..., die als real erlebt werden, geschehen... Das Trauma wird oft nicht als zusammenhängendes Ereignis erinnert, sondern als unzusammenhängende Einzeleindrücke (Fragmentierung)... Dies führt dazu, dass über das Erlebte manchmal nicht gesprochen werden kann, Erinnerungen fehlen...“ Die moderne Hirnforschung belege, „dass ...fast die komplette menschliche Informationsverarbeitung unbewusst geschieht“.
Kindeserziehung ohne Herz und Verstand? Zum Glück sind nicht alle Kindedrgärten gleich!
1. Kindesmissbrauch zum Karfreitag
Missbrauch ist ein schwerer Vorwurf. Das gilt auch für die Behauptung, die Amtskirchen machten krank. Daher bedarf es zunächst einer Richtigstellung von höchster Stelle.
Papst Benedikt XVI.
Der oft angeführte Sühnegedanke ist laut Papst Benedikt XVI. (in seinem Werk „Einführung in das Christentum“) „außerchristlich“. Dies verfasste er allerdings noch in seiner Zeit als Kardinal. Ein solcher Gedanke habe mit einem richtig verstandenen Christentum nichts zu tun – und meines Erachtens überhaupt nichts mit Religion. Er gehört schlicht in die Kategorie des Missbrauchs.
Neben einer vermeintlichen „Schuld“ wird den Kleinsten damit ein Gottes- und Gerechtigkeitsbild vermittelt, von dem sich Benedikt ausdrücklich „mit Schrecken“ abwendet. Ein solcher Ansatz entwürdige Gott. Benedikt spricht hier dezidiert von einem „unwürdigen Gottesbegriff“ – also einem Missbrauch, der auch an Gott verübt wird. Der „finstere Zorn“ dieser vermeintlichen Gerechtigkeit mache „die Botschaft von der Liebe unglaubwürdig“. Hier werde ein Gott dargeboten, „dessen unnachsichtige Gerechtigkeit ein Menschenopfer, das Opfer des eigenen Sohnes, verlangt habe“.
Benedikt kritisierte seine Kollegen scharf, wenn diese in Andachtstexten noch immer einen derart krankmachenden Aberglauben verbreiteten. Als Kardinal war er demnach noch an einer grundlegenden Änderung der kirchlichen Praxis interessiert. Doch wie verhielt es sich als Papst? Vielleicht fehlte ihm in diesem Amt die nötige Handlungsfreiheit. Ein Freund des Papstes äußerte einmal treffend: „Der, der im Vatikan am wenigsten Freiheit hat, ist der Papst.“ Immerhin hatte Benedikt die Hölle als Kardinal mit klaren Worten quasi abgeschafft: „Damit ist die Hölle überwunden.“
Doch nun zum Thema Kindergarten.
Goethe sagt uns dazu: „Ein Grundübel bei uns ist, dass auf die erste Erziehung zu wenig gewandt wird. In dieser aber liegt größtenteils... das ganze Sein des künftigen Menschen.“ Schizophrenien sind bei anderen Primaten weitgehend unbekannt: Sie dürfen nicht mit hinein in unsere Kirchen. Gott sei Dank.
Rolf Krenzer schrieb das Buch "Die Osterzeit im Kindergarten", Edition Kemper, ein Lehrbuch für Kindergärtnerinnen im aktuellen Bestand zahlloser Kindergärten. Hier werden Texte und Liedervorschläge gemacht. In „einfacher Sprache“, wie es heißt. Das „Auffassungsvermögen“ der Kinder wird angesprochen. Darum ist die Sprache so „einfach“ gehalten. Die Zeiten sind also vorbei, wo Kindergärtnerinnen, Geistliche, Psychiater oder Lehrer sagen können: Die Kinder sind ja noch „zu jung“, um das, was wir ihnen beibringen, begreifen zu können.
Ein Gebetsvorschlag wird von Krenzer gemacht: „Jesus, wir haben von deinem Leiden gesprochen..., der Weg, der dich leiden ließ und dich schließlich ans Kreuz führte, bis zum Tod. Du bist für uns gestorben... wie können wir dir danken? Amen.“
Im Lied „Freud Euch“ (Osterlied) wird zahllosen Kindern eben nicht Freude, sondern das Bild eines übergrausamen Gottes vermittelt, der seinen Sohn statt ihrer den Kreuzestod erleiden ließ. Ein tiefes Dankbarkeitsgefühl soll auf diese Weise vermittelt werden: 2. Strophe: Jesus war ans Kreuz geschlagen, hat für uns den Tod ertragen... 3.Strophe: Jesus trug für uns die Schmerzen, und wir danken ihm von Herzen...“ Hier werden kleinste Kinder in fundamentalistischer Weise missbraucht. Auf Seite 119 wird vorgeschlagen, den Kleinen nach dem Lied „Jesus lädt uns alle ein“ bereits ein Abendmahl zu reichen: Wein (Saft) und Brot (Gebäck) sollen ausgegeben werden. Beim Reichen der Gaben bei einem Abendmahl werden gemäß der Lithurgie die Zuspruchsworte gesprochen: "Christi Leib, für dich gegeben" und "Christi Blut, für dich vergossen". So werden Kinder später Psychiatriepatienten wegen „ihrer“ (eingeredeten) „Schuld“ an diesem höchst grausamen Kreuzestod.
Zuhause äußert sich ein so missbrauchtes Kind nicht. Der Missbrauch führt zu einem „Sprachloch“, das sich mit den Jahren noch vergrößert, so der Schriftsteller Bodo Kirchhoff in der Zeitung Die Welt vom 16.3.1010. "Mittäter" an Jesu Kreuzigung seinen seine Leser, also auch Kinder, so der evangelische Pastor Traugott Giesen im Buch mit dem paradoxen Titel "Glauben heilt".
Kleine grausamste Rollenspiele schlägt Krenzer vor: Erstes Spiel: „1.Sprecher: Erzähl, was dann mit Jesus geschah. 3. Sprecher: Sie quälten und folterten ihn da. 7. Sprecher: Er starb am Kreuz von Golgatha. 8. Sprecher: Er hat für uns sein Leben gegeben...“ Dass Jesus zur Vergebung ihrer Sünden am Kreuz starb, bringen Bischöfe bereits Zweijährigen in ihren Hauptgottesdiensten bei, so das Beispiel Bischof Becker in Paderborn.
Osterspiel. Spieldauer 20 erbarmungslose Minuten! „4. Mann: Gefoltert? 1. Handwerker: Sie haben ihm eine Krone aufgesetzt. Eine Krone aus Dornen. 2. Handwerker: Er hat geblutet. 1. Handwerker: Sie haben ihn angespuckt. Frau: Sie haben ein Kreuz aufgestellt. So groß und mächtig, dass sie ihn dort aufhängen konnten. Sie haben ihn mit Nägeln an das Kreuz angenagelt.“
In einem anderen Buch von Krenzer: „Wir feiern fröhlich Ostern“, 2002 Lahn Verlag, gedruckt auf „umweltfreundlichem Papier“, heißt es bei Karfreitag: An diesem Tag feiert die Kirche den Kreuzestod Jesu Christi und die Erlösung von ihrer Schuld. In einer Geschichte bekommt das Kind Hilde nach dem Religionsunterricht Alpträume in denen sie das Kreuz sieht. In der Schule hatte sie sich beim Anhören der Kreuzigungsgeschichte die Ohren zugehalten, wurde aber belehrt: „Du darfst dir nicht die Ohren zuhalten, weil dir was nicht gefällt.“ Es dauerte noch „ein paar Jahre“, bis Hilde die Passionsgeschichte „richtig verstanden“ habe. Ich fürchte nur, Hilde hat die Story von Anfang an völlig richtig verstanden. Sie bezahlte mit ein paar Jahren innerer Bedrücktheit. Auch Jonathan schossen die Tränen in die Augen: „Ich halte das nicht aus“, sagt er auf Seite 101. Frohe Ostern also. Kein Kind kann seinen Gott nach so einer Lektion noch verstehen.
Im Buch von Norbert Collmar, Neukirchener Verlagshaus „Wenn dich dein Kind fragt“, Arbeitsbuch zum Erzählen und Aneignen von biblischen Geschichten in Kirchengemeinde, Jugendarbeit und Religionsunterricht, 2005, wird von Frieder Grau die Leidensgeschichte Jesu als Kernerzählung des Glaubens extra hervorgehoben. Das „für uns“ des Kreuzes „muss erzählt werden, sonst erstarrt es zur Formel“, so Grau. Er übersieht, dass eine erstarrte Formel harmloser und billiger ist als die künstliche Erzeugung lebenslanger Schuldgefühle.
Übrigens: Jesus starb am Kreuz, weil er seinen Herrschaftsanspruch („König der Juden“) als „Gottessohn“ behauptete und ihn durch nichts belegen konnte. Er starb rechtmäßig verurteilt als Revolutionär. Er hatte eine Revolution gegen das kirchliche Establishment, gegen die Pharisäer versucht. Ein derartiger Umsturzversuch endet auch heute noch oft tödlich. In der BRD steht auf derartigen Hochverrat heute immerhin noch „lebenslänglich“.
Selbst erlebt: Eine Mutter bemerkte in meiner Sprechstunde kritisch, hier im Nachbarort werde das „Vater unser“ (...und vergib uns unsere Schuld...) im evangelischen Kindergarten mit ihrem Zweijährigen gebetet. Das saß bei einem Hausbesuch bei der Familie noch auf Mutters Arm. Kinder sind nach deutschem Recht aus gutem Grund schuldunfähig. Besonders Zweijährige! Darüber sieht die Kirche hinweg.
Im Grunde handelt es sich um klassische Gehirnwäsche. Die kindliche Unschuld wird in der Hypnoseform Suggestion ausgewaschen und durch schwerste Schuldgefühle da ersetzt, wo objektiv gar keine Schuld besteht. Hier wird § 19 StGB umgangen: Die Schuldunfähigkeit unserer Kleinen bis zum 14. Lebensjahr. Man stelle sich vor, einem vierjährigen Kind würde gesagt, man habe seinen leiblichen Vater wegen der vom Kind begangenen Sünden zu Tode foltern müssen. Nun, Jesus steht manchen von uns so nahe wie unser leiblicher Vater. „Vater unser“, heißt es ja tatsächlich. Schwere Folgeschäden an den Kindern werden mit Billigung und unter den Augen unserer Psychiatrie in Kauf genommen. Deren Konflikt ist, dass sie als sich mehr oder weniger atheistisch verstehende Institution verdrängte Gottangst aufweist. Damit ist sie unfähig in Richtung einer ernst gemeinter Kirchenkritik. Die Kernfrage Peter Schellenbaums, warum selbst die Tiefenpsychologie nicht ausreichende Religionskritik aufbringt (siehe dort), ist damit geklärt. Zu ihrer Konfliktlösung braucht unsere Psychiatrie anscheinend einen christlichen Internisten. Nota bene: Immer gibt es Ausnahmen - auch bei Psychiatern.
Die Kirchen nutzen den Vorteil ihrer katholischen und protestantischen Kindergärten und den Vorteil der Suggestivsituationen ihrer Kindergottesdienste zu derartiger Gehirnwäsche. Dieser Vorteil kostet sie fast nichts: Die Kindergärten werden fast vollständig mit unseren Steuergeldern finanziert. Auch die Einrichtungen von Caritas und Diakonie werden übrigens zu 98 % von den Krankenkassen refinanziert (Quelle: idea Spetrum 4/2011). Die Kirchen seien die bisher beste Geschäftsidee, heißt es in dem Artikel in dieser Kirchenzeitung.
2. Der Holocaust Sintflut / Umkehr des Sinns für Gerechtigkeit
Eine Klarstellung: Der Vergleich Sintflut - Holocaust ist legitim, ja vonnöten. Die jüdische Philosophin Susan Neiman hält es gar für einen Antisemitismus bedingenden Fehler, den Begriff Holocaust nicht auf der Shoah ähnelnden Gräueltaten zu übertragen. Auch wird die Sintflut kirchlich nicht als Märchen, Metapher oder ein kirchliches Instrument der Angsterzeugung vorgestellt, sondern als geschichtliche Realität. Gott habe gesagt: Das will ich alles auslöschen.
Gottes Gerichte seien Ausdruck einer uns nicht immer einleuchtenden „höheren Ethik“, so die Kirchen. Man dürfe sie nicht kritisieren. Im Kinderbuch von Emil Maier-F. und Michael Liß: „Gott segnet Noach“, heißt es: „Dann sendet Gott die große Flut. Menschen und Tiere auf der Erde gehen unter. Später: „Da verendeten alle Wesen aus Fleisch, die sich auf der Erde geregt hatten, Vögel, Vieh und sonstige Tiere, alles, wovon die Erde gewimmelt hatte, und auch alle Menschen.... Gott vernichtete die Menschen, die seine Schöpfung sind, bis auf einen einzigen... In seinem Gericht zeigt sich auch seine Güte und Liebe.“ Es werden hier Irrationalitäten sichtbar, wenn es um Religion geht. Hier vermisse ich Vernunft und Urteilskraft. In einem Holocaust an Tieren und Menschen soll sich plötzlich eine Güte des Täters zeigen, die ihn sogar verehrungswürdig mache.
Der virtuose Karlheinz Deschner dazu: „So stark ist demnach die Gewalt früh einsetzender religiöser Dogmen, dass sie das Gewissen und zuletzt alles Mitleid und alle Menschlichkeit zu ersticken vermag.“ Tatsächlich hat Hitler die Sintflut grauenhaft nachinszeniert.
Im oben angeführten Buch Krenzers wird die traurige Sintflutgeschichte, die Geschichte der ersten Endlösung umdeklariert in eine „wunderbare Geschichte von der großen Flut und Noah...“. Hier wird ein Holocaust verharmlost. Wir Deutschen wissen: Es gibt keinen wunderbaren Holocaust. Es gibt da nichts zu feiern.
Sabine Hirler schreibt das Kinderbuch „Arche Noah“, Ars Edition, zusammen mit Bernhard Oberdieck. Hirler: „Gerade die biblische Geschichte von Noahs Arche eignet sich sehr gut, den Kindern die Welt der Tiere und die Achtung davor zu vermitteln. Noah zeigt sich uns in der biblischen Geschichte als Mensch, der im Gegensatz zu seinem sozialen Umfeld noch religiöse und ethische Werte besitzt. Diese menschlichen Qualitäten haben heute noch eine große Bedeutung.“ Die Frage: Achtet der Sintflutgott wirklich die Tierwelt? Ein Kind fragte den Pastor: Was war denn mit den anderen Tieren, die nicht auf die Arche passten? Als der schwieg, kam die Antwort von einen Mädchen: "Die nehmen dann wohl das nächste Schiff."

Papst Benedikt XVI. merkte an: „Wer nicht bemerkt, dass Töten Sünde ist, ist tiefer gefallen, als wer das Schändliche seine Tuns erkennt...“ (in „Werte in Zeiten des Umbruchs“, Herder). In der Tiefe seines Herzens mag der Papst damit erkennen, dass die Durchführung des Holocausts Sintflut für Gott selbst eine Sünde bedeutet hätte. Rechtswidrige und von Moral losgelöste Gewalt sei Terror, so der deutsche Papst. Somit ist die Sintflut Terror. Der Glaube an Gott, der Begriff Gottes könne missbraucht werden „und wirkt dann zerstörerisch: Das ist die Gefährdung der Religion“, so Benedikt. Für das Gute solle man kämpfen: „Dann führen wir den wahren Kampf für die Menschen und gegen die Unmenschlichkeit“, so der Papst. Warum hört nur kaum jemand seiner Bischöfe auf ihn? Gottes Würde sei „unantastbar“. RecPapst Benedikt hat das Zeug zu einer Religionsreform.
In Heiko Frankes Buch „Religiöse Erziehung im Vorschulalter“, Calver, wird geäußert: „Ziel der religiösen Erziehung ist es, dem Kind zu einem vertrauensvollen Verhältnis zu Gott zu verhelfen.“ Dann wird aber im selben Buch phantasiert, in der „Sintflutgeschichte ist es zwar der Zorn Gottes, der zur Vernichtung der Erde führt, aber stärker als der Zorn ist sein Liebeswille...“ Die Grundlagen jeder Logik und Ethik werden hier missachtet, ein Holocaust verharmlost.
In der evangelischen Religionszeitung Factum 6/2010 sagt uns Rolf Höneisen über „Erdbeben in Haiti und Chile, ...Wasserfluten in Pakistan“ mit „Szenen verzweifelter, schreiender kranker hungernder Menschen“, es sei nicht die Frage: „Warum lässt er das zu?“, sondern: „Was will mir Gott damit sagen?“ Mir fehlen wie so sehr oft die Worte. Wo sind Gottes Bekennerschreiben zu seinen Strafen? Warum sagt Gott nicht das, was er erreichen möchte, uns offen und gewaltlos im deutschen Fernsehen?
Dr. M. Käßmann, unsere ehemalige Bischöfin, äußerte sich schlicht und für uns alle ergreifend folgendermaßen zum Thema Gewalt so: „Jeder Mensch, der glaubt, dass er Gewalttaten religiös deklinieren könne, ist ein Gotteslästerer“.
Sie wird mit dieser Verallgemeinerung wohl meinen, Gott, der nach ihrem Glauben ja auch in Jesus "Mensch" geworden ist, ist die Liebe und gegen jegliche Gewalt. So, wie sie erzählt wird, darf die Geschichte der Sintflut nach Auschwitz also nicht mehr vermittelt werden! Unsere spezifische nachkriegsdeutsche Verantwortung besteht nach Helmut Schmidt darin, Gewalttaten zu identifizieren, zu klassifizieren und anzuklagen. Auch unter dem Aspekt, dass in den Verfassungen Bayerns und Nordrhein-Westfalens die „Ehrfurcht vor Gott“ als das oberste Erziehungsziel benannt ist, verbietet es sich für die Kirchen, unserem Gott einen globalen Holocaust zuzuschreiben, der geologisch erwiesen nie stattfand. Echte Ehrfurcht vor Gott kennen unsere Amtskirchen demnach nicht. Im Gegenteil: Sie missbrauchen Gott. Ausnahmen gibt es immer.
