Jane Ward über die Entstehung von Homosexualität
von Frank Sacco

Vorwort Müller: Unser Autor Frank Sacco, Doktor der Medizin, ist aus dem Urlaub zurück. So kann er seinen neuen Artikel abliefern, der sich wieder mit dem Thema Homosexualität befasst. Wohlgemerkt geht es nicht um irgendwelche Homosexualität von Frank Sacco, sondern der Artikel ist von Frank Sacco, und die Homosexualität ist von Jane Ward (Bild: Sacco).

Jane Ward über die Entstehung von Homosexualität
von Frank Sacco

 

 

Frau Ward wird in der Zeitschrift „Interview“ (Summer 2017) interviewt. Sie ist lesbisch, hat aber auch mit Männern geschlafen. Und sie ist Soziologin. Und lehrt Gender Studies an der Universität California in Riverside. Und schreibt Bücher über das Thema (z. B. „Nicht schwul“, bei Albino // „Not Gay“, Sex between straight white men). Sie bezeichnet sich als queer. Heute wird der Ausdruck queer verwendet, um das alles zu bezeichnen, was nicht im volkstümlichen Sinn „normal“, also straight, also heterosexuell ist. Bezüglich der Geschlechtszugehörigkeit gibt es ja nicht nur Frauen und Männer. Die Begriffe hetero-, homo- und bisexuell sind dagegen sehr auf zwei Geschlechter, Männer und Frauen ausgelegt. Queer greift weiter und lässt die Geschlechtergrenzen fließen.  Es kommt aus dem Englischen und wurde früher oft als Schimpfwort für Schwule und Lesben verwendet. Die LGBT, die  Lesbian Gay Bisexuell Trans Community, hat den Begriff zu etwas Positiven umgewandelt. Der oder die Queere liebt also potentiell quer durch alle Möglichkeiten. „Die Vorstellung, dass es eine klar definierte Grenze gibt zwischen Normal und Unnormal, Hetero- und Homosexuell, ist wirklich erst ein paar Jahrzehnte alt“, so Ward. Und sie ist überholt. Foto: zeigt Sacco: mal mit Schlips…und noch mal jung.

Noch zwei Dingte stellt sie richtig: „Die männliche Sexualität wird oft unhinterfragt als impulsiv und animalisch dargestellt, als wären Männer nichts als Objekte ihrer Biologie, die keine Kontrolle darüber haben… Diese Vorstellungen halte ich für schädlich – für Männer und für  Frauen.“ Nun, sie ist einfach falsch, diese Vorstellung.

Als problematisch empfindet sie die vermeintliche Erkenntnis der letzten Jahrzehnte, dass die sexuelle Orientierung als etwas biologisch Angelegtes hingestellt wird: Ward: „Viele Menschen, die sich als queer oder LGBT verstehen, glauben nicht, dass sie als Schwule oder Lesben geboren wurden, genauso wenig, wie sie als Feministin, Katholik oder Liebhaber der japanischen Küche geboren wurden… Die Mainstream-LGBT-Bewegung aber hat diesen biologischen Essentialismus,  dass unsere sexuelle Orientierung angeboren ist, mit der Schwulen- und Lesbenbewegung kurzgeschlossen. Und zwar so erfolgreich, dass jeder, der einwendet, dass Sexualität komplizierter sein könnte, sofort als homophob oder von Selbsthass zerfressen gilt… Was wir wissen ist, dass diese biologische Sichtweise sehr männerfokussiert ist… Zu behaupten, man sei als das eine oder andere (als Hetero oder Homo, der Verf.) geboren, ist einfach nur sexistisch“, so die Wissenschaftlerin. Auf welche Weise man liebe, sexuell liebe, sei eine „politische Entscheidung“ aufgrund individueller Erfahrungen. Solche Erfahrungen sind vielfach in der Literatur beschrieben, wohingegen eine Analagebedingtheit (z. B. über epigenetische Faktoren) eine reine Hypothese darstellt. Die genannten Erfahrungen können positiver Art sein in Form einer Anziehungskraft, die  eine sexuell attraktive Person ausübt, oder aber negativ in Form eines abgestoßen Werdens, ja eines Gefühls von Ekel bei schlechten sexuellen Erfahrungen in der frühesten Kindheit – oder auch später. Die ältere Fachliteratur zeigt uns eine Fülle derartiger Fälle auf. Auch Ward spricht hier „gewalttätige Auswüchse“ in der Sexualität an, die „politische“ Konsequenzen haben, allgemein und in Einzelfall. Wenn man als Kind oder Minderjährige schon von der Frau Mama an Männer verkauft wurde, deren Schwänze dick und ungewaschen waren, dann lässt man das später, das mit den Schwänzen.

Ich plane, der Autorin mein Buch über Sex zu schicken („Heterosexualität, Homosexualität, Pädophilie“, BoD) mit der Frage, wie sie die Wertigkeit der christlichen Religionen sieht bezüglich jener politischen Entscheidung der sexuellen Orientierung. Kirchenleute machen Kindern doch starke sexuelle Ängste im Bereich Heterosex und beeinflussen sie über Androhung jenseitiger Strafen intensiv „politisch“.  Wenn Sex zur strafwürdigen Sünde wird, hat das m. E. schwerwiegende  Folgen. Ja es kann gar nicht anders sein. Er ist eine der Kultfiguren der Berliner Genderszene. Warum seine Überlegungen in dieser Richtung? Nun, Homosexualität ist ein Risikofaktor für Suizid: 7x mehr Suizidversuche bei Homosexuellen. Hirschfeld meint, Homosexualität könne zurückgehen, wenn es der Gesellschaft gelänge, die Kirchen in den Griff zu bekommen.