Das Böse im Geschlecht der Menschen wird kaum auszurotten sein. Das menschliche Gehirn ist einfach zu groß. So kann es begreifen, was Folter ist. Es begreift, dass man die Schmerz- und Leidrezeptoren seines Unterbaus maximal und vor allem auf Dauer, ja angeblich auf Ewigkeit reizen kann.
Nirgendwo ist daher die unter die dünne Haut verdrängte Panik so groß wie beim Geschlecht der Menschen. Schon Kleinigkeiten lassen die dünne Haut platzen. Natürlich ist das echter Wahn, wenn wegen einer Kleinigkeit Morde begangen werden. Von einer „Meute“ spricht der Schriftsteller Bernard-Henry Lévy (1). Und meint „das Volk“. Eine Meute zerfleischt ihre Gegner. Es kann der Meute noch so gutgehen. Schon ein objektiv nur kleiner Verlust ruft Bösartiges hervor: Neid, Missgunst und Hass und letztlich die böse Tat, zerfleischende Kriege. Man kann Öl genug haben und führt doch Kriege darum.

Diese Dinge seien Zeichen der Schwäche, so Lévy. Das ist korrekt. Freiheit trete erst ein, wenn man frei sei von diesen Dingen. Die Meute fürchte das Leben, den Tod, ihre „Geister“ und die ewige Ruhe nach dem Tod. Ich will Lévy ergänzen: Über alles fürchtet sie das Jenseits. Sie fürchtet über alles ihren „Gott“. Die Religionen sind derzeit zurück.
Lieben kann das den Mitgliedern vorgesetzte Gottesbild niemand. Dieses „größte Gebot“ dieses Ungottes ist nur „pro forma“ zu bewerkstelligen. Der Klerus setzt auf die ausgesprochene „Dummheit der Meute“, von der Bernard-Henry Lévy spricht. Um diese Dummheit herzustellen, muss der Klerus die Ängste der im Volk potenzieren. 

(1) Michel Houellebecq und Bernard-Henri Lévi: Volksfeinde