Therapie des Sacco Syndroms im Recollectiohaus
in Münsterschwarzach
Im Recollectiohaus, einer Psychiatrie im Kloster Münsterschwarzach am Main, werden Geistliche therapiert, die entweder an Höllenangst, also an einem Sacco-Syndrom leiden, oder als Gottestäter das Dogma Hölle allzu fundamentalistisch von der Kanzel und im Kindergarten predigten, und auf diese Weise ganze Gemeinden sacco-krank machen könnten. Im September 2020 besuchte ich das Kloster zuletzt, um mich mit dem Mönch und Pater Meinrad Dufner zu besprechen. Das Thema: Religionsreform. Die brauche es nicht, so Dufner. Vielmehr sei ein neues Gottesbild vonnöten. Wir kamen überein, man könne nur im Verbund daran arbeiten. Zu bewundern ist der Mut der dortigen Mönche.
Dufner beschreibt uns die Erfahrungen aus der Klinik im Buch „Gottestäter“. Untertitel: „Die Gefahr negativer Gottesbilder“.
Wo aber Gefahr ist, kommt es zu Unfällen. Kinder in Gefahr zu bringen, ist bereits nach § 323c StGB eine Straftat. Die Gefahr liegt in dem Bewirken eines Sacco-Syndroms. Hier der Buchinhalt der Erstausgabe in Stichworten: Die Botschaft Hölle werde teilweise als „Keule der Übergriffigkeit“ oder zum „Machtmissbrauch über anderes Leben“ verwendet. Man solle aber als Kleriker ein „Diener der Freude“ (2.Kor 1,24) sein. Gottesbilder müssten dem Zeitethos angeglichen werden. Ganz und gar widerlich sei eine Predigt, so in der ersten Buchausgabe, wenn ihr Inhalt „Angst machend daherkommt“. Eine „sadistische Aussprache“ könne ein „Milieu der Gewalt und Bedrohung“ errichten. Gottestäter, also Prediger des ewigen KZs Hölle, seien „religiöse Zuchtmeister“ und „Feldwebel auf dem liturgischen Exerzierplatz“. Ein solcher ist der Ex-EKD-Chef Bischof N. Schneider. Er schreibt unseren Kindern, gewisse Sünder kämen „nach einem „Richterspruch Jesu“ in das ewige Feuer.
Nein, so Dufner, in der Gottesbegegnung stehe man einem Freund gegenüber, der „nicht richtet“. Es gebe schon „genug Richter auf der Welt“, wird in einem Gleichnis erzählt. Hier wird das Höllendogma abgeschafft, setzt Strafe ja einen Richterspruch voraus.
Aufrührendes berichtet der Mönch aus dem Buch „Im richtigen Leben“ von Jeff Golliher. Er lässt den Protagonisten fragen: „Würde ich den gleichen Feuertod erleiden müssen wie sie – die Sünder?“ Und weiter: „Ich könnte aber auch die Kirche ablehnen und damit meine Seele an die Hölle verlieren.“ Der Protagonist fürchtet, „in der Hölle zu brennen“ und erwartet „eine schreckliche Strafe“. Das Fazit daraus: Wir brauchen eine andere Religion mit einem fundamental anderen Gottesbild. Die „Götter“ beider Amtskirchen müssen lernen, sich gemäß der modernen Rechtslage zu benehmen.