Rezension des Buches „Die Offenbarung des Johannes“    mit einer Einleitung von Will Self

Die religiös bedingte Schizophrenie 

Die Einleitung ist hier das Spannende! Self berichtet von der Schizophrenie seines Freundes Ben Trainin. Der war in Künstlerkreisen geboren und studierte gerade Geschichte. Er war hochintelligent. Plötzlich  baute er eine Kanzel und predigte. Die Story von der Apokalypse hatte ihn im Griff. Zwei Selbstmordversuche folgten. Er wurde „von den Furien seines Verstandes tyrannisiert“. Er erkannte wohl im Oberflächenbewusstsein, dass die Story „abergläubiger Schwachsinn“ ist, doch er litt weiter. Dann glitt er in Drogen ab. Mit 28 Jahren beging er Suizid.

 

 

 

Will Self wohnte in der Nähe einer psychiatrischen Klinik, dem Royal Free Hospital. Monate nach Bens Tod hörte er einen schizophrenen Mann, der aus der Offenbarung des Johannes zitierte. Die Worte strömten aus ihm heraus wie „gestreifte Zahnpasta“ aus der Tube. Die Nachbarschaft war „reich gesegnet mit Verrückten“. Self fiel auf, dass „jeder Dritte“ den Text der Offenbarung deklamierte.

So liest auch Self die Bibel. Er erkennt: Der Text der Offenbarung ist „pervers“. Es ist ein „Wirrwarr“ aus Gewalt, geprägt von einer üblen Feindseligkeit gegenüber der Kultur. Er hat eine „verhängnisvolle Wirkung“. Self recherchiert im Internet: 2.666.896 Websites befassen sich mit dieser Geschichte. Er stößt auf Rufe nach „Vergebung“. Er begegnet einem „psychotischen Albtraum“.

Anschließend wird der Bibeltext wortwörtlich wiedergegeben. Wir alle kennen ihn. „Dies sind die wahren Worte Gottes.“ Den biblischen Verfassern und unserer Geistlichkeit zufolge stammen die Worte der Offenbarung aus dem Mund Gottes und dem Mund seiner Engel. Auch „Jesus“ lässt man hier frei sprechen. Der Sohn Gottes, der „Augen wie Feuerflammen“ hat, sagt zu einer Prostituierten: „……und ihre Kinder will ich zu Tode schlagen…“ Und: „Ich werde geben einem jeglichen unter euch nach euren Werken.“ Dieser Satz vermittelte dem jungen Luther solche Angst, dass er Mönch wurde. Als solcher entwickelte er ein „Sacco-Syndrom“. Zuerst kam eine kirchlich induzierte Depression. Er versuchte, sie durch einen Masochismus zu heilen. Schließlich wurde er von einer halluzinatorischen Psychose heimgesucht – wie viele seiner Kollegen. Unter anderem halluzinierte er den Teufel. Erst ein anderer Bibelvers „heilte“ ihn. Er lautet: „Sola Fide“. Man entgeht der Hölle Jesu demnach allein durch festen Glauben. Nun, der antisemitische Mönch besaß genau einen solchen Glauben. Folglich sah er sich nicht mehr genötigt, gute Werke zu vollbringen; sie waren nicht mehr nötig. So wurde er zum Komplizen bei den letzten drei Hexenverbrennungen in Wittenberg und beim Massaker an den Bauern.

Die Apokalypse spricht von sieben verschiedenen Plagen. Uns wird gesagt, dass all diese Gerichte gerecht seien. Sie bestehen vor allem darin, dass Sünder ertränkt und verbrannt werden – geworfen in einen „Feuersee“. Leider führen diese Qualen nicht zum Tod. In seiner Unsterblichkeit fügt der Jesus der Bibel sie unbekümmert für alle Ewigkeit zu – und zwar demselben Individuum. Schließlich hat er den „Schlüssel zur Hölle“ von seinem Vater geerbt. Und sie sollen „mit Feuer und Schwefel gequält werden ... und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen in alle Ewigkeit.“ Für den auferstandenen, "sündenfreien" Jesus der Bibel reicht selbst eine Ewigkeit nicht aus. Hier verwandeln die biblischen Autoren den einfachen Zimmermannssohn in eine Gestalt wie Hitler – einen, der den „Führer“ an Grausamkeit noch weit übertrifft. Noch heute predigen Bischof Nikolaus Schneider und Hans Werner Deppe vom Höllenfeuer. Und sie sind damit nicht allein.

Die etablierte Psychiatrie leugnet das extreme krankmachende Potenzial der Bibel und der Geistlichkeit. Sie hat schlichtweg zu große Angst – Angst vor Gott und vor ihrem größtem Arbeitgeber: den Kirchen.

Eine Großstudie

Es wurden Stimmen laut, die mich dazu drängten, eine groß angelegte Studie zum „Sacco-Syndrom“ durchzuführen, um dessen Existenz zu belegen – und damit die krankmachende Natur der Dogmen von Apokalypse und Hölle aufzuzeigen. Wie es der Zufall will, haben die Kirchen diese Studie bereits selbst durchgeführt. Im Jahr 2010 wurden die Kinder in Würzburg durch Ausstellungen in sämtlichen Kirchen der Stadt auf fundamentalistische Weise mit der Apokalypse konfrontiert. Heute leiden sie in einem weltweit beispiellosen Ausmaß an psychischen Erkrankungen; die Stadt hält in dieser Hinsicht einen traurigen Weltrekord. Eines von fünf Kindern in Würzburg leidet derzeit unter der angstbedingten Störung ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom). ADS stellt eine Flucht aus einer unerträglichen Situation in Hyperaktivität und/oder clowneskes Verhalten dar. Bereits 2010 sagte ich den Anstieg psychischer Erkrankungen in Würzburg voraus und erstattete Anzeige gegen die Kirchen wegen Kindesmissbrauchs. Die Website Psychische Störungen durch kirchliche Lehren weist darauf hin, dass die Stadt laut einer Studie der Universität Würzburg ein „Suizid-Hotspot“ sei. Forscher führen dies auf das „konservative, stark katholisch geprägte Umfeld“ der Stadt zurück. Der Jesuitenpater Rupert Lay bestätigt dies: „Die Hälfte der Patienten, die zu mir in Therapie kommen, ist aufgrund von Erfahrungen erkrankt, die sie in Kindheit und Jugend mit der Kirche gemacht haben.“ Als besonders krankmachend gilt das Dogma der „ewigen Verdammnis“. Die Diagnose lautet also: „Sacco-Syndrom“.

Wie lauten nun die gängigen Vergehen der Kirchen?

Kindesmisshandlung nach § 235 RiStBV, Androhung von Folter und diversen Verstößen gegen deutsches Recht, wie sie sich aus dem Text ergeben, u.a. § 225 StGB Misshandlung von Schutzbefohlenen, § 240 Nötigung, § 241 Bedrohung, § 1631 BGB Personensorge, Störung der Religionsruhe, § 131 StBG Gewaltdarstellung, Verstoßes gegen Art. 1 GG Würde, und gegen § 1 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes Und auch „Gotteslästerung“ nach § 166 StGB. Denn ein Gott, der die Liebe sein soll, wird sich nicht irgendwann wie ein Hitler aufführen. Sowieso sei die Androhung jenseitiger Strafen aber nur ein „Geschäft“ seiner Kirche, so Bischof Nikolaus Schneider im Der Spiegel 43/2014. Es ist das intelligenteste, aber auch schmutzigste Geschäft dieser Erde.