Terrorismus anders gedacht

Peter Scholl-Latour betrachtete Amerika – also die USA – als den größten Terroristen. Dort wurden Kriege angezettelt, um Vorherrschaft, Rohstoffe und Ähnliches zu sichern. Amerika setzte pro-amerikanische, aber korrupte Regierungen ein, die wiederum ihr eigenes Überleben durch Gewalt und – bedauerlicherweise – Folter sicherten. Ein solcher Terrorismus provoziert zwangsläufig Widerstand in der unterdrückten Bevölkerung.

Ein Terrorstaat bezeichnet die am Widerstand beteiligten Personen als Terroristen.

Diese Menschen besitzen oft nur wenig: ihr Leben und ein Gewehr – oder eine Bombe. Die Bombe eignet sich meist kaum dazu, die eigentlichen Verantwortlichen zu töten. Folglich wird womöglich ein Café in die Luft gesprengt, wobei unschuldige Menschen ums Leben kommen. Ziel ist es, ein Signal zu setzen. Ein solcher Staatsapparat manipuliert derweil die Medien und drängt kritische Stimmen an den Rand, indem er sie in die Arbeitslosigkeit oder ins Gefängnis treibt. Die Öffentlichkeit – ebenfalls manipuliert, obwohl sie ihre Politiker eigentlich in ordnungsgemäßen Wahlen demokratisch bestimmt hat – sieht in dem „Terroristen“ einen Kriminellen, gegen den rücksichtslos vorgegangen werden muss. Natürlich ist dies nicht immer der Fall.

Die von mächtigen Staaten ausgeübte terroristische Gewalt kann durchaus subtil sein. Oft bleibt sie unbemerkt. Zu ihren Folgen in Teilen der südlichen Hemisphäre zählen Armut, Kinderarbeit, Hunger, Durst, die Entstehung krimineller Strukturen und die Entsorgung importierter Abfälle. Auf der Nordhalbkugel hingegen herrschen Reichtum und Überfluss – Jeans für 20 Euro, der Verbrauch lebenswichtiger Ressourcen und das Auslösen einer scheinbar unaufhaltsamen Klimakatastrophe. Die RAF – die Rote Armee Fraktion – entstand während des Vietnamkriegs. In diesem Konflikt kam in Deutschland hergestelltes Kriegsmaterial zum Einsatz. Schätzungsweise mehr als drei Millionen Menschen starben im Vietnamkrieg, darunter über 58.000 US-Soldaten und mehr als 1,3 Millionen vietnamesische Soldaten. Die Zahl der getöteten vietnamesischen Zivilisten wird auf ein bis zwei Millionen geschätzt.

Die RAF empfand dies als schweres moralisches Versagen – als eine tiefgreifende Schuld, auch aufseiten der Deutschen –, was sie schließlich dazu veranlasste, Gewalt nicht nur gegen Eigentum, sondern auch gegen Menschen anzuwenden. Letzteres Thema war Gegenstand heftiger, kontroverser Debatten während der Studentenunruhen des Jahres 1967. Im Jahr 1967 begann ich im Alter von 17 Jahren mein Medizinstudium in Berlin. Der Kurfürstendamm war häufig abgesperrt; er war voller Kriegsgegner. Der deutsche Staat selbst wankte. Wie sich die Ereignisse danach entwickelten, ist hinlänglich bekannt.

Sind Terroristen unschuldig?

Terroristen werden offiziell als Einzelpersonen oder Mitglieder einer Gruppe definiert, die Gewalt oder Gewaltandrohungen einsetzen, um persönliche, politische, religiöse oder ideelle Ziele zu erreichen. Meiner Ansicht nach reagieren viele Terroristen vor allem auf Gewalttaten, die sie in ihrem persönlichen Umfeld, in ihrer Gesellschaft oder im Ausland miterleben. Ich habe jedoch auch gelesen, dass auch oder vorwiegend  das Streben nach Anerkennung junge Menschen dazu bewegen soll, sich dem „Heiligen Krieg“ anzuschließen – dass es sich um sozial benachteiligte Personen handelt, die Terror als Mittel nutzen, um Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren. Nach Angaben des Verfassungsschutzes sind Berichten zufolge mindestens 550 Deutsche für den IS aktiv.

Terroristen sind oft selbst Opfer von Terror oder kämpfen im Namen solcher Opfer. So beklagte beispielsweise der Pariser Terrorist Amedy Coulibaly, während er sich kurz vor seinem Tod in dem jüdischen Supermarkt aufhielt – was über einen nicht aufgelegten Telefonhörer mitgehört wurde –, die Folterung von Muslimen und behauptete, Frankreich habe diese Taten mit Steuergeldern finanziert. Folter ist ein Akt extremer Gewalt, der fast zwangsläufig Rachegedanken hervorruft, insbesondere wenn sie dem eigenen engsten Umfeld oder Angehörigen zugefügt wird. Dieser Drang zur Rache kann sich völlig von rationalem Denken lösen und dadurch die Schuld des Rächenden relativieren.

Über den größten Terror

Die denkbar größte Form des psychologischen Terrors geht von etablierten Kirchen oder anderen Religionsgemeinschaften aus – eine Tatsache, die selbst Atheisten meist herunterspielen. Dieser Terror besteht in der Drohung mit ewiger Höllenqual durch Feuer. Bischof N. Schneider verkündet diese Drohung in seinem Buch *Von Erdenherzen und Himmelsschätzen* unseren Kindern. Ich habe offiziell Beschwerde gegen Schneider eingelegt. Sozial oder intellektuell Benachteiligten wird ihr Minderwertigkeitsgefühl von Kindheit an immer wieder vor Augen geführt; schlechte Noten im Religionsunterricht sind nur eine der Erscheinungsformen hierfür. Schon sehr früh sehen sie sich als Teil jener mehr als 50 Prozent der Menschheit, die – gemäß biblischer Lehre – für die ewige Hölle bestimmt sind.

Wie lässt sich dann das Gefühl der „Befreiung“ erklären, von dem Konvertiten im Zusammenhang mit dem Islam häufig berichten? Der Koran bietet eine Garantie: Wer im Zuge einer äußeren Aggression kämpft und als Märtyrer stirbt, muss nicht in Schneiders Hölle. Andrea Shajans Sohn schrieb einen Abschiedsbrief an seine Mutter. Er sei konvertiert, teilte er mit. Die Familie solle den Koran studieren: „Er bewahrt euch vor dem Höllenfeuer“ (Stern TV, RTL, 14. Jan. 2015). Sobald eine massive Höllenangst ins Spiel kommt, wird ein Mensch unberechenbar – ein Zustand, der als Anomie bezeichnet wird. Strafrechtlich gelten solche Personen dann als unschuldig.

Jeder Geistliche – wie etwa Bischof N. Schneider – ist ein Terrorist, wenn er Kinder vor der Aussicht auf ewige Folter warnt. Schneider räumte später ein, dass die Nutzung der „Angst vor dem Jenseits“, um Menschen zu ängstigen, ein „Geschäft“ der Kirchen sei (*Der Spiegel*, 43/2014, S. 37). Es ist ein schmutziges Geschäft meiner Kirche. Auch der Staat trägt eine Mitschuld, da er dieses Geschäft nicht sanktioniert, sondern im Gegenteil toleriert. Schneider behauptete, einen "Richterspruch"  Jesu zur Hand zu haben, konnte diesen jedoch nicht vorlegen.

In Frankreich drohen jedem, der Terrorismus verherrlicht, bis zu sieben Jahre Haft und Geldstrafen von bis zu 100.000 Euro. Doch fast jeder Geistliche verherrlicht die Sintflut, Sodom und Gomorra, die Apokalypse und eine Hölle der Folter. Dabei deuten sie die grausamsten Folterformen zu einer Art göttlicher  „Gerechtigkeit“ um. Man darf nach dem Dogma nicht einmal den Ausführenen  ("Gott") dieser Folterakte kritisieren, ohne Bestrafung (konkret: die Strafe der Hölle) zu riskieren. Von Kindern wird sogar erwartet, dass sie diesen „Gott“ lieben.

In diesem Land hätten solche Vorstellungen – spätestens nach Auschwitz – als inakzeptabel gelten müssen. Solche „Götter“ sind Projektionen. „Nie wieder Folter“, hatte Adorno gesagt. Doch Auschwitz war vergeblich. Im Gegensatz zum Islam äußert sich der mit dem dogmatischen Christentum verbundene Terrorismus heutzutage nur selten als Aggression nach außen – wenngleich die an einen Kreuzritter erinnernde Gestalt Breiviks hier eine Ausnahme bildet. Innerhalb des Christentums tritt dieser Terrorismus als Autoaggression bzw. nach innen gerichtete Aggression in Erscheinung. Über Schuldgefühle löst er oft ein masochistisches „Sacco-Syndrom“ aus, was zu überfüllten psychiatrischen Kliniken und einer Vielzahl „ekklesiogener“ Suizide führt – Umstände, die von unserem psychiatrischen Establishment nicht gesehen oder verschwiegen werden. Die Kirchen sind die größten Arbeitgeber in diesem Sektor; sie haben unser Psychiatriesystem in Teilen  faktisch aufgekauft.

 

Antworten im Netz auf Sind Terroristen unschuldig?

1. Uwe sagt:
18. Januar 2015 um 12:07

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, sei gefragt: Was bringt Muslime dazu, Mörder zu werden? Die USA, die NATO oder etwa Frankreich? Der eigentliche Grund liegt in der Religion selbst. Ein Blick in ein Buch klärt auf. Der Islam ist eine Buchreligion, das Heilige Buch ist der Koran. Der Koran soll ausschließlich die Worte Allahs enthalten, kein Muslim wird je das Gegenteil behaupten. In Sure 8, Vers 13 sagt somit Allah: "….. aber in die Herzen der Ungläubigen will ich Furcht bringen; darum haut ihnen die Köpfe ab und haut ihnen alle Enden ihrer Finger ab." Der Koran enthält noch weitere Aufforderungen Allahs, die Ungläubigen, das sind wir, zu töten. Osama Bin Laden, Mohammed Atta, Al Kaida, Die Taliban, Boko Haram, und jetzt der IS, alle können sich bei ihren aus unserer Sicht Verbrechen auf den Koran berufen, denn da steht es explizit drin. Man muss den Koran nur lesen, und da sind die Muslime nicht besser als die Christen. Denn die Bibel hat auch fast niemand gelesen. Die Menschen wollen über die Religion mitreden, haben aber überhaupt keine Grundlage.

Wenn man von klein auf so erzogen wurde, dass alles, was im Koran steht, die Wahrheit ist, dann ist das beileibe keine Schwierigkeit, zu morden, für Allah, der offenbar in seinem Kampf für den wahren Glauben auf die Hilfe von Menschen angewiesen ist. Daran kann man natürlich sehen, dass Allah nicht allmächtig ist, wir kennen das ja vom Gott der Christen. Denn ein Gott kann ja nur akzeptiert werden, wenn er gut ist. Was aber im Koran steht, zeigt keinen barmherzigen Allah, obwohl die Muslime immer das Gegenteil behaupten.

Wie wäre die Lösung? Da ein Gott wie gesagt durch und durch gut sein muss, was sonst, gibt es nur die Möglichkeit, dass der Koran "nur" von Menschen geschrieben worden ist. Menschen dürfen das schreiben, was da steht, ein Gott, hier Allah, sicherlich nicht. Ob das die Muslime der Welt mitmachen? Oder aber Allah ist nur der Name für einen Teufel, wie ihn die Christen definieren, sie haben übrigens ihre Grausamkeiten bereits hinter sich. Ob das die Muslime mitmachen?

2. Sacco sagt:
18. Januar 2015 um 17:47

Es gibt theoretische Lösungsmodelle.

1. Der größte Anreiz für ein Kind, sich als lebende Bombe zu opfern, ist immer die Höllenvermeidung. Man erzählt dem Kind zwar von 70 Jungfrauen, entscheidend ist aber das Loswerden der Angst und nicht etwa Egoismus. Jede Bedrohung mit Folter ist in Deutschland verboten. In Bergen im Edeka wird ein Heft kostenlos an Kinder verteilt: "Wie wird es in der Hölle sein?" Text: Welche Gnade ist für Sünder jedes nicht brennende Körperteil? Solange den Kirchen ihr Tun erlaubt wird, solange wird es Opfer geben durch Außen- oder Innenaggression. Warum zeigt nur niemand (außer mir) die Kirchen oder die Verlage an? Androhung von Folter gibt die Religionsfreiheit nicht her.

2. Das Nord-Süd-Gefälle Reichtum – Armut, das mit auf einer Ausbeutung des Südens  basiert, muss einen Ausgleich bekommen. Der Hass wird zu groß, wenn Kinder, weil billiger, im Süden als Arbeitskräfte verschlissen werden. Die Politik im Süden  sinnt auf Rache und auf Loslösung von den Nordstaaten, missbraucht aber über das Zugpferd Religion die Bevölkerung zum Mitmachen. Anders läßt sich die nicht genügend motivieren. Der liebe Gott gehört auf das Koppelschloss.  Man kämpft also lieber  für Gott, zur Erlangung seiner Gnade,  als für bessere Arbeitsbedingungen. Im Vordergrund stehen also wirtschaftliche Probleme.

Ich habe beides gelesen: Koran und Bibel. Die Juden seien die Söhne des Teufels (Joh. 8,44). Das war mit ein Grund für Auschwitz. Ich habe die Bibel-druckenden Verlage angezeigt. So etwas darf man nach Auschwitz nicht mehr drucken.

3. Sacco sagt:
18. Januar 2015 um 18:41

Prof. Papier, ehemals oberster Verfassungsschützer gestern in der "Die Welt". Glaubensgemeinschaften hätten das Recht, … ohne staatliche Einwirkung ihr Leben zu gestalten – allerdings im Rahmen des für alle geltenden Gesetzes. Eine Briefmarke für eine Strafanzeige in Richtung Kirche kostet um die 80 Cent. Oder die Approbation. Der Kammerpsychiater der Niedersächsischen Ärztekammer, Dr.... , äußerte am 17.11. 2009 vor der Kammer , ich müsse stationär! Meine Anzeige in Richtung Kirche (ich hatte das Kinderabendmahl für 4-Jährige kritisiert) spreche für einen Wahn. Dabei hatte ich  Rückendeckung vom Sprecher der  Jesuiten Deutschlands, Busch. Mit 4 sei es zu früh. Mit 4 ist es zu früh, Kindern den Kreuzestod Jesu als persönliche Schuld anzulasten.  Letzte Woche bedrohte mich die Approbationsbehörde NiZzA mit einer erneuten psychiatrischen Untersuchung. Alternative: Approbation weg.

4. Uwe sagt:
18. Januar 2015 um 19:01

Wie Saco schon geschrieben hat, nach Johannes soll Jesus gesagt haben: Der Teufel sei der Vater der Juden. Da Jesus selber Jude war und sein Vater der liebe Gott sein soll, ist der lieben Gott identisch mit dem Teufel. Das kommt heraus, wenn man die Logik auf die Evangelien anwendet. Mich würde interessieren, mit welchen Verrenkungen ein Theologe diese Textstelle des Lieblingsevangelisten der Kirche interpretiert.

5. Sacco sagt:
18. Januar 2015 um 22:26

Wie Uwe sagt:

Jesus, als Jude, hat Gott zum Vater und nach angeblich "eigener Aussage" den Teufel auch. Und Maria zur Mutter. Das gibt 3×23, also 69 Chromosomen. Jesus hat also 6 Beine gehabt. Jesus war ein Insekt. Davon ist nicht viel berichtet.